10 Jahre Bischof Bätzing

In dieser Woche vor genau zehn Jahren ist Georg Bätzing zum Limburger Bischof geweiht worden. Zeit zurückzublicken und nach vorne – für den Mann, der bis vor kurzem die Deutsche Bischofskonferenz angeführt hat. Er weiß, in diesen Zeiten wird die Kirche schwieriger und weniger – wie er es nennt – und dennoch will er seinen Optimismus behalten.

„Liebe Limburger Diözesane. Da bin ich. Jetzt habt ihr mich.“
Fröhlich und zuversichtlich gibt sich Georg Bätzing, als er am 18. September 2016 zum Bischof von Limburg geweiht wird.
Genauso heute – zehn Jahre später – bei der Pressekonferenz im Limburger Bischofshaus.
Das Amt als Bischof tritt Bätzing demütig an. Denn er übernimmt in einer schwierigen Zeit. Sein Vorgänger Bischof Tebartz-van Elst hatte es in Verruf gebracht, nachdem er für 30-Millionen die neue Bischofsresidenz errichten lies, inklusive goldener Wasserhähne. Viel Vertrauen der Gläubigen war daraufhin verloren gegangen.
Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
„Man kann Vertrauen, das verloren ist, nicht zurückgewinnen. Man kann es nur nach vorne hin in gemeinsamen Erfahrungen neu aufbauen. Das ist meine Überzeugung, und das ist nicht ohne und nicht leicht. Und das setzt voraus, dass man nicht nur Worte macht, sondern mit den Menschen unterwegs ist.“
„Congrega in unum“ so lautet der Wahlspruch des Bischofs, übersetzt: „Führe zusammen“.Und das schafft Bätzing vor allem mit Transparenz. Nach seinem Amtsantritt veröffentlicht er die Ergebnisse einer unabhängige Studie zur Aufarbeitung von sexualisiertem Missbrauch.
Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
„Das hat hier viele Menschen im Haupt- und Ehrenamt zutiefst erschüttert. Und so ist gemeinsam mit dem Diözesan-Synodalrat das Projekt ‚Betroffene hören – Missbrauch verhindern‘ entstanden.“
Ein Projekt, das es bis heute gibt. 2020 wird Bätzing zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Er wird das prägende Gesicht des Synodalen Wegs, dem Reformprozess der Katholischen Kirche. Bätzing befürwortet die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und kritisiert, dass Frauen von Weiheämtern ausgeschlossen werden. Wiederholt erklärt der Bischof, der Pflichtzölibat müsse entfallen. Und tut es heute noch immer. Aktuell beim Fall des Oberurseler Pfarrers Andreas Unfried, der nun sein Amt aufgibt, weil er seine langjährige Lebenspartnerin heiraten will.
Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
„Ich lebe im Zölibat, weil ich glaube, das ist eine Weise, Jesus nachzufolgen. Ich tu das gerne. Und gleichzeitig sage ich mir, es würde eine Bereicherung der Kirche und ihres Amtes bedeuten, wenn auch verheiratete Männer Priester sein können und Frauen im Übrigen auch.“
Auch angesichts des Mitgliederschwundes gilt es für den Bischof neue Wege zu gehen. Mit weniger Einnahmen aus Kirchensteuern müssen künftig über 100 Millionen Euro pro Jahr in Limburg eingespart werden. Und auch die Polarisierung der Gesellschaft bereitet Bätzing Sorgen. Schon vor Jahren positioniert er sich gegen die AfD – und findet angesichts der aktuellen Wahlerfolge deutliche Worte.
Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
“ Völkisches, nationalistisches Denken, wie es in der AfD verbreitet, wird. Ein menschenfeindliches Denken, ein europafeindliches Denken ist mit uns nicht zu machen, ist mit dem christlichen Menschenbild und Gottesbild nicht zu vereinbaren.“
Anfang des Jahres erklärt Bätzing dann, nicht mehr für den Vorsitz der Bischofskonferenz anzutreten. Zu viel Energie hatten die Reformkämpfe mit Rom gekostet. Als Bischof von Limburg will er aber weitermachen. Ganz nach dem Motto:
Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg
„Ihr habt mich immer noch. Denn ich bin mir natürlich auch bewusst, es gibt auch Menschen in unserem Bistum, die tun sich schwer mit mir, mit meinen politischen Positionierungen, mit meinen kirchenpolitischen Einlassungen, mit meinem wirklichen Eintreten für Synodalität auf allen Ebenen. Es gibt nicht nur Applaus für mich, sondern es gibt auch Menschen, die sich schwertun. Insofern Ihr habt mich und wir müssen miteinander den Weg gehen.“
Und das so, wie er sein Amt angetreten ist. Fröhlich, demütig und stets im Dialog mit seinen Mitmenschen.