Katastrophenschutzübung in Wiesbaden
Egal, ob Amokfahrten, wie 2020 in Trier, oder Extremwetterereignisse, wie die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal ein Jahr später. Ereignisse wie diese, bringen die Notfallversorgung und Rettungskräfte an ihre Grenzen. Um sich genau auf solche Ausnahmesituationen vorzubereiten, fand am Wochenende eine große Katastrophenschutzübung in Wiesbaden statt. Das Szenario: Eine extreme Hitzewelle zieht übers Land, die Krankenhäuser sind überlastet und zu allem Überfluss rast dann auch noch ein Auto in eine Menschenmenge.
Blutende Wunden, regungslose Körper und Personen, die unter und im Fahrzeug eingeklemmt sind. Die 25 von Laien gespielten, zum Teil schwer verletzten Opfer sind das Ergebnis einer Amokfahrt, die an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit nachgestellt wird. Für die ersten Einsatzkräfte, die circa 12 Minuten nach der Alarmierung eintreffen, gilt es jetzt die sogenannte „Chaosphase“ zu bewältigen, bis mehr Rettungskräfte eintreffen.
Norbert Hagner, Rettungsdienst Berufsfeuerwehr Wiesbaden
„So lange haben wir ein Missverhältnis zwischen Patienten und Rettern. Also geht es nur darum, dass die jetzigen Ressourcen denen zugeführt werden, die sie am dringendsen brauchen. Das ist die Hauptaufgabe, die wir jetzt zu bewältigen haben. Finde die Schwerverletzten, trenne sie von den Leichtverletzten, die auch noch ein bisschen Zeit haben, versorgt zu werden. Aber die kritischen Patienten, die müssen wir schnellstmöglich identifizieren, um sie der Klinik zuzuführen.“
Dabei helfen diese Anhängekarten. Rot steht für schwer verletzt. Gelb mittelschwer verletzt. Und grün leicht verletzt. Etwa 400 Rettungskräfte, viele von ihnen ehrenamtlich tätig, sind heute mit circa 50 Fahrzeugen beteiligt. Darunter eine ganze Reihe von Hilfsorganisationen, Rettungsdiensten, Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr und Notfallseelsorger.
Jörg Heck, Feuerwehr Wiesbaden
„Ich glaube ein ganz wesentlicher Faktor ist auf jeden Fall die Kommunikation. Die muss funktionieren. Die Struktur dieser Einsatzstelle ist wichtig. Wenn so viele Kräfte mit so vielen Fahrzeugen zusammenkommen, dann spielt das schon eine Rolle, wo man sein Fahrzeug abstellt, damit man den Einsatzerfolg nicht gefährdet. Und genau solche Sachen kann man hier trainieren.“
Die Verletzten der Amokfahrt werden hier her weitertransportiert. Auf einen Behandlungsplatz, der bereits Verletzte der fiktiven Hitzewelle behandelt und nun doppelt belastet wird. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, der die Übung beobachtet, sieht besonders in Sachen präventiver Hitzteschutz vielerorts noch Luft nach oben. 21
Gert-Uwe Mende (SPD), Oberbürgermeister Wiesbaden
„Ich finde, ehrlich gesagt, den Umgang mit der Hitzlage in Deutschland nicht gut. Wir haben es in Wiesbaden etwas anders gemacht. Wir haben einen Katastrophenstab eingesetzt, als wir gemerkt haben, wie das vorangeht. Das gab es nicht allzuviele Kommunen, die das gemacht haben. Wir hatten an einem Wochenende allein rund 30 Todesausfindungen durch den Rettungsdienst. Normalerweise gibt es an einem Wochenende drei. Das war schon eine signifikant hohe Zahl. Und das Thema Hitzeschutz muss uns alle sehr beschäftigen.“


