Lage der Wirtschaft – Wolf Matthias Mang im Gespräch

Maike Dickhaus spricht mit dem Präsidenten der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände.

Maike Dickhaus, Moderatorin:
Und bei mir zu Gast im Studio ist jetzt Wolf Matthias Mang, der Präsident der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände. Und mit ihm wollen wir die Lage jetzt noch genauer erörtern. Guten Abend.
Wolf Matthias Mang, Präsident der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände
Guten Abend.
Dickhaus:
Michael Trapp, den wir eben im Beitrag gesehen haben, der sagt, dass vor allem Familienunternehmer ihren Nachwuchs nicht mehr empfehlen, den Betrieb weiterzuführen, weil sich das einfach nicht mehr lohnt. Und zudem haben wir ein 2-Jahres-Hoch von den Firmenpleiten in Hessen. Wie soll das also weitergehen?
Mang:
Na ja, also ich glaube, ganz so negativ, dass man das nicht zu einer nächsten Generation weitergeben kann, sehe ich das nicht. Das haben wir bei uns im Unternehmen gemacht und meine Tochter und unser Schwiegersohn sind bei uns im Unternehmen. Wir machen gemeinsam die Geschäftsführung. Und natürlich sind die Herausforderungen groß. Und wenn Sie Unternehmer fragen, auch in Hessen, was die größten Hemmnisse sind, dann werden die unisono sagen: “Die größten Hemmnisse ist die Bürokratie. ” Und das ist, hat er zurecht gesagt, also das ist das, was wirklich beschäftigt. Aber ich würde deshalb noch nicht so wenig Zuversicht verbreiten möchten, dass die nächste Generation dann keine Chance mehr hat in Deutschland. Die nächste Generation muss Lösungen dafür finden. Aber die Politik muss insbesondere Lösungen finden, den Bürokratieabbau zu beschleunigen. Denn das ist das, was wirklich die Unternehmer Zeit heute am meisten beansprucht, ist das, wie er so schön gesagt hat, das Ausfüllen der Formulare, das Nachhalten des Lieferkettengesetzes. Das hat schon Olaf Scholz versprochen, das sei weg, wenn er … Also er war dann weg in dem Frühjahr. Nichts. Wir haben das nicht nachgebessert. Und wir sind natürlich in Deutschland auch das Land, was dann am intensivsten und am genauesten die Gesetze der EU umsetzt. Und wir machen da noch ein bisschen Gold-Plating, wir legen da noch ein bisschen was obendrauf und wir machen es uns noch schwerer. Das müssen wir sein lassen. Da hat er recht.
Dickhaus:
Sie haben gesagt, wir müssen die Bürokratie entrümpeln, hier bei uns, vor gut einem Jahr. Jetzt haben wir in Hessen Deutschlands ersten und einzigen Entbürokratisierungsminister. Und der sagt: “Das hat sich schon einiges getan.” Hören wir mal dazu Manfred Pentz.
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Manfred Pentz (CDU), Entbürokratisierungsminister Hessen
„In unserem ersten Bürokratieabbau-Gesetz haben wir schon 120 konkrete Maßnahmen, Berichtspflichten, Nachweispflichten, aber auch das Thema E-Mail – sie können in Hessen mittlerweile bei allen Behörden alles per E-Mail machen. Beglaubigungen brauchen Sie fast gar nicht mehr. Also alles das, was die Leute nervt, was die Unternehmen hemmt. Das haben wir im ersten Paket und wir nehmen jetzt ein zweites Paket auf, das ich jetzt in den hessischen Landtag einbringe, in dem wir auch nochmal 168 Maßnahmen zur Entbürokratisierung reinnehmen.“
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Dickhaus:
Das müssen Sie doch zumindest anerkennen, oder?
Mang:
Ja, ohne Frage. Da können wir auch mal die hessische Politik wirklich loben. Wir hatten die erste Digitalministerin, weil es einfach wichtig ist für unser Land, die Digitalisierung, er sprach es gerade an mit den E-Mails. Zu Corona mussten wir unsere Meldung per Fax ans Gesundheitsamt schicken. Also ich meine, das sind schon, sagen wir mal … es ist nicht Rocket Science, aber es wird einfach besser. Und ich muss sagen, ich bin sehr dankbar, wie hoch das bei uns angesiedelt ist in Hessen, dass wir den Bürokratieabbauminister haben. Aber fairerweise muss man sagen: Vieles das, was auch Herr Trapp angesprochen hat, ist nicht die Bürokratie in Hessen, es ist die Bürokratie in Berlin, es ist die Bürokratie, insbesondere in Brüssel. Das heißt nicht, dass wir weniger Europa brauchen. Wir brauchen weniger Bürokratie aus Brüssel. Das wird, glaube ich, wirklich auch am meisten nutzen. Aber das, was wir hier in Hessen machen, den Bürokratieabbau, das kann, glaube ich, auch die Wirtschaft sehr wohl genießen, dass wir nicht ein Faxgerät noch brauchen. Inzwischen haben wir es abgeschafft, aber zu Corona Zeiten hatten wir das noch gehabt.
Dickhaus:
Kommen wir noch zu dem anderen Thema der hohen Energiepreise. Und da steuert die Bundespolitik doch jetzt zumindest mit der Industrie mit dem Industriestrompreis entgegen, oder?
Mang:
Na ja, da muss man auch fairerweise sagen, es trifft vielleicht nur 2000 Unternehmen in Deutschland. Man ist so ein bisschen unsicher, wie viele Unternehmen tatsächlich davon am Ende profitieren können. Aber wir brauchen eine Entlastung für alle. Wir brauchen auch die Entlastung für unsere Bürger in diesem Land. Auch die sind hoch belastet mit den Strompreisen. Aber die Industrie, muss ich sagen, braucht das ganz besonders, um die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu erhalten. Denn ohne Wettbewerbsfähigkeit haben wir kein Wachstum. Ohne Wachstum haben wir keine Steueraufkommen, und ohne Steueraufkommen haben wir keinen Wohlstand. Also mit anderen Worten: Energiepreise werden dafür sorgen, dass wir mehr Wohlstand oder weniger Wohlstand haben. Deswegen gilt es, die Strompreise wirklich für die Industrie, für die Handwerksunternehmen, aber letztendlich für jeden Hessen zu reduzieren.
Dickhaus:
Und in diesem Zusammenhang schimpfen ja viele Unternehmer immer auf die grüne Energiepolitik – aber muss die Wirtschaft nicht auch ihren Teil zur Klimawende beitragen? Weil letztlich ist sie ja dann auch damit belastet. Zum Beispiel zeigen Berechnungen, dass uns allein dieser Hitzesommer einen wirtschaftlichen Schaden von 36 Milliarden € verursacht hat.
Mang:
Na ja, also erst mal muss man sagen, dass wir in den Produkten, die weltweit auch zum Einsatz kommen, um den Energieverbrauch zu reduzieren, tatsächlich führend sind. Also es ist ja viel passiert. Die Industrie hat viele, viele Produkte auch im Angebot, aber es ist trotzdem natürlich noch nicht ausreichend, dass wir die Energiekosten dadurch wieder auf ein verträgliches Niveau bekommen. Man kann nicht zuerst die Energiepreise hochsetzen und dann darauf hoffen, dass es bald Geräte dafür gibt. Nein, wir müssen die Geräte haben und dann können wir das machen, damit die Wirtschaft und damit die Unternehmen, die Handwerksbetriebe und alle wirklich eine Chance haben, mit diesen hohen Energiepreisen zurechtzukommen.
Dickhaus:
Ich denke, Ihre Position ist auf jeden Fall deutlich geworden. Es muss Bürokratie abgebaut werden, die Steuern müssen runter und auch die Energiepreise. Vielen Dank, Wolf Matthias Mann für Ihren Besuch im Studio.
Mang:
Ich danke Ihnen für die Einladung.