Immer mehr Antisemitismus
In Darmstadt sind gerade die Jüdischen Kulturwochen gestartet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Und das ist bitter nötig. Denn die Zahl antisemitischer Straftaten ist in den letzten Jahren auch in Hessen dramatisch angestiegen. Die Landesregierung hat jetzt unter anderem die finanzielle Förderung für Jüdischen Gemeinden erhöht. Wir haben einen jüdischen Gastronom in Frankfurt getroffen, der in den vergangenen Jahren massiv angefeindet worden ist.
„Juden töten sollte normalisiert werden.“ Nur einer von unzähligen Hasskommentaren, die Nir Rosenfeld in den vergangenen Jahren erhalten hat. Festgehalten auf Screenshots in seinem Handy.
Der 56-jährige betreibt unter anderem mehrere vegane Restaurants in Frankfurt. Auch das Life Deli im Jüdischen Museum.
Nir Rosenfeld, Gastronom aus Frankfurt
„Ich habe so viele Beweise von Menschen, die so schlimme Sachen geschrieben haben in Social Media, Mails. Oder die rufen uns an permanent und sagen: Hitler sollte euch alle umgebracht haben. Schade, dass ihr noch am Leben seid! Kocht ihr mit Gas? Und so weiter …“
Geboren ist Nir Rosenfeld in Tel Aviv. Dort lernt er auch seine Frau Sigal kennen, eine gebürtige Frankfurterin. Seit 23 Jahren lebt das Ehepaar in der Mainmetropole.
Nir Rosenfeld sagt, er erlebe seit dem 7. Oktober 2023 einen „Tsunami des Antisemitismus“. Privat geht er kaum noch aus dem Haus. Wenn seine Mutter ihn in der Öffentlichkeit anruft, überlegt er sich zweimal, ob er das Gespräch annimmt. Ob es gerade sicher ist, Hebräisch zu sprechen.
Nir Rosenfeld, Gastronom aus Frankfurt
„Seit dem 7. Oktober mir – wie allen Juden – geht es nicht gut, also ganz schlimm. Wir fühlen uns nicht sicher. Wir fühlen uns nicht wohl. Es kommt von rechts, es kommt von links, es kommt aus dem islamistischen Milieu.“
RIAS, die Meldestelle für antisemitische Straftaten, hat im vergangenen Jahr in Hessen rund 1.100 Vorfälle registriert. Zum Vergleich: 2022 waren es rund 180.
Das Land Hessen hat jetzt den Staatsvertrag mit dem hessischen Landesverband der Jüdischen Gemeinden bis 2031 verlängert. Die finanzielle Förderung wird deutlich erhöht. Außerdem wurde der Vertrag über Sicherheitsleistungen erneuert.
Ein wichtiger Schritt, sagt Innenminister Roman Poseck. Es sei eine Schande, dass jüdisches Leben in Hessen wieder bedroht sei.
Roman Poseck (CDU), Innenminister Hessen
„Wir müssen jüdisches Leben bei uns bedingungslos schützen. Dafür sind unsere Sicherheitsbehörden rund um die Uhr im Einsatz. Auch Polizistinnen und Polizisten, die jüdische Einrichtungen auch in Hessen schützen. Es geht aber auch um die Gesellschaft, wir müssen auch in der Gesellschaft Zeichen gegen Antisemitismus setzen.“
Mehr Unterstützung aus der Mitte der Gesellschaft, die wünscht sich auch Nir Rosenfeld.
Wir haben ihn und seine Frau schon mal getroffen, kurz nach dem Terrorangriff der Hamas 2023. Schon damals hat das Ehepaar darüber nachgedacht, Deutschland zu verlassen und nach Israel zu ziehen.
Mittlerweile sind diese Überlegungen konkreter geworden. Doch die Familie Rosenfeld hat allein durch ihre Restaurants viele Verpflichtungen. Dazu kommt: Ihr jüngstes Kind ist erst 17. In einem Jahr ist ihr Sohn mit der Schule fertig – dann könnte es so weit sein.
Nir Rosenfeld, Gastronom aus Frankfurt
„Ich sag nicht, dass in Israel alles perfekt ist, aber auch hier nicht. Aber da gibt es keinen Antisemitismus, da muss ich meinen Davidstern nicht verstecken, da muss ich meine Kippa nicht verstecken, wenn ich zur Synagoge gehe.“


