Darmstädter Forscher wollen Städte im Krisenfall mit Strom versorgen

Mehrere mutmaßliche Sabotageakte bundesweit auf die Stromversorgung haben jüngst auch bei uns die Angst vor einem Blackout geschürt. Ein stundenlanger Stromausfall. Die Technische Universität in Darmstadt forscht schon seit längerem an einem Projekt, um Häuser im Notfall unabhängig vom Stromnetz zu machen. Doch es gibt auch Haken.

Was tun, wenn im Krisenfall flächendeckend der Strom ausfällt? An der TU Darmstadt sieht man die Lösung in diesem Modelhaus auf dem Unicampus, das sich im Ernstfall selbst mit Strom versorgen kann. Ein Projekt, das auch für Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus gerade nach den jüngsten Sabotageakten umso wichtiger ist.
Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen
„Dass nämlich Krisen nicht irgendwie ein theoretisches Gebilde sind, sondern dass das Thema Blackout tatsächlich auch real stattfinden kann. Wir müssen resilienter werden, wir müssen widerstandsfähiger werden. Wir haben die Techniken, wir zeigen das mit diesem Projekt.“
Das vom Land Hessen mit vier Millionen Euro geförderte Projekt hat Solaranlagen direkt in die Außenwände verbaut und erzeugt damit seinen eigenen Strom. Im Falle eines Stromausfalls könnte das Haus auch weitere Gebäude auf dem Campus versorgen. Bis diese Idee aber auch an anderen Orten Schule macht, scheint es noch ein langer Weg zu sein.
Prof. Florian Steinke, TU Darmstadt
„Diese Zusammenschaltung verschiedener kleiner Inseln zu einer größeren Insel, die dann auch mehr Personen und Lasten versorgen kann, ist neu. Und bis wir das in der Breite sehen können, braucht es vor allem auf der organisatorischen Ebene noch mehr Anstrengungen.“
Das Problem: Nicht jedes mit Photovoltaik ausgestattete Haus kann seinen überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Oder seine Anlage würde sich aus Sicherheitsgründen abschalten, sobald es vom Stromnetz getrennt ist. Vielen Hausbesitzern mit Solaranlagen wären die technischen Möglichkeiten gar nicht bewusst, sagt die Digitalministerin und sieht den Bund in der Pflicht.
Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen
„Ich werden nicht müde, das auch auf Bundesebene immer wieder zu sagen: Wir können aus Hessen heraus ein Stück weit Blaupause sein. Aber wir brauchen auch die koordinierende Kraft des Bundes und auch andere Bundesländer, um dieses Thema weiter voranzubringen.“
Kristina Sinemus fordert ein nationales Resilienz-Zentrum, die TU Darmstadt würde ein solches Zentrum gerne selbst aufbauen, um ihr Wissen zu teilen. Bis aber mehr Häuser im Krisenfall auch ihre Nachbarn mitversorgen können, dürfte es noch dauern.