Blinde fahren auf dem Tandem durchs Land

Blind Fahrradfahren? Das geht auf dem Tandem, mit einem sehenden Piloten am Steuer und einem blinden Co-Piloten dahinter. 23 solcher Tandems fahren gerade quer durch Deutschland und wollen damit zeigen, was gemeinsam möglich ist. Wir haben sie auf einem Teil der Strecke begleitet.

Mouna Nifer ist blind. Vor vier Jahren entdeckt sie den Radsport für sich, fängt an zu trainieren und gewinnt bei den deutschen Meisterschaften im Parabahnradsport Gold und Silber. Fahrradfahren bedeutet für die 27-jährige Freiheit. Nachgehen kann sie ihrer Leidenschaft nur im Tandem. Für sie kein Nachteil, denn im Team kann sie ihre Umwelt ganz anders wahrnehmen.
Mouna Nifer, Radsportlerin
„Wir reden darüber, wir sind vorhin in Bonn gewesen und sind an einer Gummibärchenfabrik vorbeigefahren, das hat man gerochen. Oder sind an einer Pommesbude vorbeigefahren. Oft wird auch hier in der Gruppe kommuniziert, das heißt man hört von den anderen was passiert, wenn der eigene Pilot das mal vergisst. Und so merkt man wie viele Kilometer man gemacht hat. Für mich ist das schon einfach ein sehr schönes Gefühl, weil ich es anders erlebe.“
Einen Tandem-Partner zu finden, ist oft nicht leicht. Michael Rathing begleitet seit fünf Jahren Sehbehinderte Sportler. Für die Tour hat er sich spontan eine Woche Urlaub genommen.
Michael Rathing, Mounas Pilot
„Das ist auch eine Befriedigung, jemanden dazu verhelfen zu können, seinen Sport zu machen. Das kommt einfach von Herzen. Wenn man dann zu zweit unterwegs ist, nicht nur beim Radfahren, sondern auch beim Laufen, dann hat man einfach ein gemeinsames Erlebnis. Und Freude, die man teilen kann, dass ist einfach doppelte Freude.“
Genau um diesen Teamgeist geht es bei der Euro-Tandem-Tour. 23 Tandems fahren in sieben Tagen 720 Kilometer gemeinsam quer durch Deutschland. Zum vierzehnten Mal findet die Aktion statt.
Maren Schwerger, Organisatorin der Euro-Tandem-Tour
„Mit diesem sportlichen Engagement wollen wir zeigen: es geht doch, auch wir Menschen mit Behinderungen können volle Leistung, volle Teilhabe haben. Es wurde in den letzten Jahren Vieles erreicht, was Barrierefreiheit angeht. Es wurde Vieles erreicht, was Inklusion angeht. Das Wort ist selbst ist heute sehr bekannt, aber es geht immer noch darum diese Gesetzesnorm in eine Realität umzusetzen.“
Was im Team gemeinsam gelingen kann, zeigen die 23 Tandems eindrucksvoll.