Bildungsausschuss im Landtag berät über Ludwigshafener Problemschule

Messerangriffe, falsche Feueralarme und Einschüchterungsversuche: Die Karolina–Burger-Realschule ist seit Jahren ein Brennpunkt in Ludwigshafen. Die Lehrer fordern einen Neustart. Die Landesregierung will jetzt hart durchgreifen: Gerade eben stellt sie ihre Maßnahmen vor.

 

Krisensitzung in der Karolina–Burger-Realschule in Ludwigshafen. Der Termin für die Lehrer: Dienstpflicht. In diesen Momenten informiert die Landesregierung die Lehrkräfte über die Maßnahmen, die die Problemschule wieder sicher machen sollen.
Zeitgleich im Mainzer Landtag: CDU-Bildungsministerin Ute Eiling–Hütig kündigt an:
Ute Eiling–Hütig (CDU), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz
„Das Paket beinhaltet u.a. die Versetzung bzw. Abordnung von drei Mitgliedern des Kollegiums. Der Schulleiter, ein weiteres Mitglied der Schulleitung und eine weitere Lehrkraft. Die Schule bekommt von heutigem Tage an täglich fest Unterstützung durch Schulaufsicht, pädagogischen Landesinstitut und auch regelmäßig aus dem Ministerium für Bildung.“
Die Maßnahmen: Ausdrücklich nicht befristet. Rückblick: Es beginnt mit einem Brandbrief, der die prekäre Situation an der Realschule-Plus beschreiben soll:
„Es gibt Bedrohungen und Beleidigungen unter Schülerinnen und Schülern, oft unter Einbeziehung von Familienangehörigen. (…) Verbale Angriffe und Beleidigungen gegenüber Lehrkräften, die unsere Autorität untergraben, eine steigende Gewaltbereitschaft, bei der Auseinandersetzungen körperlich oder mit der Androhung von Waffengewalt ausgetragen werden.“
Und weiter:
„Es gibt in einer spürbaren Zahl von Fällen Eltern, die sich nicht als Partner der Schule verstehen, sondern Lehrkräfte aggressiv angehen, in den geschützten Raum Schule eindringen, drohen, beleidigen oder Selbstjustiz betreiben.“
Die Fälle sind erschreckend: Vergangenes Jahr soll eine Schülerin eine Lehrerin mit einem Messer attackiert haben. Allein dieses Jahr muss die Feuerwehr 16-mal ausrücken: 13-mal wegen Fehlalarmen, drei Mal wegen Reizgas-Attacken. Mehrere Prügeleien überschatten den Schulalltag.
Der neuste Vorwurf: Erst vor einer Woche soll wieder ein Schüler von seinen Mitschülern mit einem Messer bedroht worden sein, wohl um Schutzgeld zu erpressen.
Vor etwas mehr als 3 Wochen eskaliert die Lage an der Problemschule: Zu Beginn des Schuljahres meldet sich ein Drittel der 56 Lehrer krank.  
Jetzt greift CDU-Bildungsministerin Ute Eiling–Hütig in der Schule mit einem Migrationsanteil von rund 87 Prozent durch: Die Probleme seien innerhalb der bestehenden Strukturen nicht zu lösen.
Ute Eiling–Hütig (CDU), Bildungsministerin Rheinland-Pfalz
„Wir haben vor allen Dingen jetzt den Fokus auf die Abschlussklasse, weil ich schon möchte, dass man nach der zehnten Klasse dann sagen kann: Ich komme aus dieser Schule und es war doch noch ein schönes Jahr. (…) Eine Verkleinerung der Klasse oder eventuell mehr Personal. Das müssen wir uns jetzt anschauen aber genau darauf wird abgezielt, dass die Schülerinnen und Schüler wirklich dann alles bekommen, was sie brauchen.“
Die Pläne der Landesregierung: Für die Grünen zu unkonkret.
Katharina Binz (Bündnis 90 / Die Grünen), Abgeordnete Landtag RLP
„Die Ministerin hat viel gesagt, wir überlegen, wir planen, eventuell werden wir. Da hätte ich mir konkrete Zahlen auch gewünscht. (…) Wie man die Abschlussklassen konkret unterstützen will im nächsten Jahr. Es ist ja ein hehres Ziel, dass man auch unterstützen kann aber wie gesagt, da hat es mir heute an konkreten Beispielen gemangelt.“
Die Grünen fordern dafür mehr Personal. Die AfD fordert sogar in Betracht zu ziehen, die ganze Schule zu schließen.
Joachim Paul (AfD), Abgeordneter Landtag RLP
„Hier ist kein Unterricht mehr möglich, zumindest auf breiter Ebene. Bedrohte Lehrer und überforderte Lehrer und natürlich auch Schüler, die nicht mehr am Unterricht produktiv teilnehmen. Das kann so nicht weitergehen.“
Einen ernsthaften Neustart und keinen kurzfristigen Aktionismus der Landesregierung – das fordert Elternbeirat Rheinhessen-Pfalz. Lehrer und Schüler wollen endlich Ruhe – an der rheinland-pfälzischen Problemschule Nummer eins.