Schaltgespräch mit Gesundheitsminister Clemens Hoch

Über diese umfassende und nicht ganz unkomplizierte Krankenhausreform spreche ich jetzt mit dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsminister – mit Clemens Hoch

Eva Dieterle: Guten Abend.
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Guten Abend, Frau Dieterle.
Eva Dieterle: Herr Hoch, die Krankenhauslandschaft in Rheinland-Pfalz wird sich ab Anfang 2027 spürbar verändern und vor Ort in den Regionen stößt das nicht unbedingt auf Akzeptanz, weil viele Menschen befürchten, in ihrer Nähe nicht mehr die voll umfängliche medizinische Versorgung zu bekommen. Sind das nicht berechtigte Sorgen?
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Natürlich sind es berechtigte Sorgen und deswegen haben wir auch das ganze Land im Blick. Wir wollen keinen Krankenhausstandort verlieren, den wir heute haben. Aber es ist heute ja schon so, dass Krankenhäuser, je nachdem, wo sie sind, andere Angebote vorhalten. Das wird sich noch etwas konzentrieren. Und die Qualität der Leistungen wird an manchen Standorten höher werden. Und dafür werden wir an anderen Standorten neue Krankenhäuser in Form der Klinik vorsehen, die vor allem die Alltagsnotfälle behandeln.
Eva Dieterle: Leistungen werden künftig massiv umgeschichtet, und für Leistungen erhalten Kliniken nun mal Geld. Bedeutet das nicht, dass sich der finanzielle Kampf vieler Krankenhäuser verschärfen wird?
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Ob sich wirtschaftlich da für die Krankenhäuser was verändert, wissen wir noch nicht. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen macht ja der Bund. Und da ist in den letzten Jahren tatsächlich sehr viel Druck auf die Krankenhäuser ausgeübt worden. Wir haben das auch immer kritisiert. Hier geht es aber darum, dass natürlich nicht Krankenhäuser Leistungen erbringen sollen, ohne entsprechend auch die Vorhaltung zu haben und die die Leistungen vielleicht zukünftig nicht mehr anbieten können. Die würden natürlich auch in ihrem gesamten Vorhaltungsungsapparat schrumpfen müssen.
Eva Dieterle: Viele Krankenhäuser fürchten sich aber eben genau vor diesen finanziellen Einschnitten. Die Stadtklinik Frankenthal soll eine der sieben Regiokliniken werden. Jetzt hat der Stadtrat eine Resolution dagegen auf den Weg gebracht. Können Sie diese Proteste nachvollziehen?
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Wenn es Veränderungen gibt, gibt es natürlich auch immer große Sorgen. Wir haben die Stadtklinik Frankenthal und wir wollen die Stadtklinik Frankenthal auch behalten. Zukünftig soll die aber in Form einer Regioklinik operieren. Und das ist ein Konzept, was zum Ersten Mal ermöglicht, sektorübergreifend zu agieren. Das ist also eine ambulante und stationäre Versorgung in einer Größe von 50 Betten für ein Krankenhaus. Und da kann in Frankenthal, weil das zum Beispiel ein guter psychiatrischer Standort ist oder ein Standort sein kann, für pflegerische Aspekte auch noch sehr viel mehr dazukommen. Wir werden jeden einzelnen Standort uns angucken und die Menschen finden in Frankenthal auch in der Umgebung Krankenhäuser, die dann hochspezialisierte Leistungen zum Beispiel für eine Krebsbehandlung anbieten können.
Eva Dieterle: Können Sie denn garantieren, dass es im Zuge der Krankenhausreform in den nächsten Jahren nicht zu dadurch verursachen Klinikschließungen kommen wird?
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Die Sorge ist immer da. Die war in den vergangenen Jahren da und die ist auch in der Zukunft da. Wir mahnen vom Bund eine auskömmliche Finanzierung an, und dieses Thema bleibt. Daran ändert jetzt die Krankenhausreform auch nichts, denn wir organisieren nur die Versorgung, wo welche Qualität stattfindet. Die Rahmenbedingungen, vor allem um das Geld macht der Bund.
Eva Dieterle: Sie zumindest zeigen sich heute also optimistisch, wir werden das auf jeden Fall in Zukunft verfolgen. Herr Hoch, vielen Dank für das Interview.
Clemens Hoch (SPD), Gesundheitsminister Rheinland-Pfalz: Gerne.