Schaltgespräch mit Condor-Chef Peter Gerber

Und über die mehr als angespannte Lage der deutschen Luftfahrt spreche ich jetzt mit Condor-Chef Peter Gerber

Eva Dieterle: Guten Abend.
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Guten Abend, Frau Dieterle.
Eva Dieterle: Herr Gerber, Sie sind auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften – was sehen Sie derzeit als drängendste Herausforderung?
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Die drängendste Herausforderung ist der Tat, dass wir unsere Standortkosten in Deutschland wettbewerbsfähig gestalten. Sie sind in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 100 % gestiegen. Die staatlichen Standortkosten. Das können wir ganz einfach korrigieren. Wenn wir das tun, wäre dem Luftverkehr hier sehr geholfen.
Eva Dieterle: Die EU will den Luftverkehr bis 2050 klimaneutral machen – die Vorgaben dafür treffen vor allem die deutschen Airlines besonders hart, die jetzt schon europäisches Schlusslicht beim Wachstum sind. Lässt sich Nachhaltigkeit aus Ihrer Sicht OHNE Standortnachteile überhaupt umsetzen?
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Wir glauben ja, bis 2050 ist auch unser Plan, das zu schaffen. Wichtig ist allerdings, dass es global mit den gleichen Spielregeln zugeht. Dafür gibt es mit Corsair ein weltweites System, das erste weltweite System, was das regeln soll. Wenn wir dieses System implementieren, wenn wir dieses System anwenden, dann wird das funktionieren. Bei uns auch ganz ohne Standortnachteile. Das ist ein System, das für Emissionen, die im Luftverkehr verursacht werden, entweder eine Kompensation zu bezahlen ist oder diese Emissionen vermieden werden. Und dann sollte das auch bis 2050 klappen.
Eva Dieterle: Aber bedeuten mehr Auflagen für die Flughäfen und Airlines am Ende nicht unweigerlich auch langfristig für die Passagiere noch höhere Ticketpreise?
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Das kann passieren. Allerdings wenn es global angewendet wird und moderne Technologien weltweit implementiert werden, dann werden die Preise für diese Technologien, insbesondere für nachhaltiges Benzin, wieder entsprechend sinken. Oder sollte das möglich sein? Kurzfristig kann es allerdings sein und es passiert in jedem Fall, wenn es nicht wettbewerbskonform ist. Das heißt also, wenn bei uns etwas eingeführt wird, was man weltweit nicht einführt.
Eva Dieterle: Lassen Sie uns noch kurz auf das wichtige Thema Sicherheit schauen. Viele Menschen sind nach dem versuchten Sprengstoff-Drohnen-Angriff in Leipzig Anfang August verunsichert. – SIE selbst fordern seit Langem den Abschuss von illegalen Drohnen an Flughäfen. Warum tut sich da so wenig? Muss erst wirklich was passieren, bis reagiert wird?
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Ich hoffe nicht. In vielen Fällen hat ja die Bundesregierung inzwischen bewiesen, dass sie sehr schnell handeln kann. Allerdings ist es nicht unkompliziert in der Kompetenz Abstimmungen zwischen Bundeswehr, zwischen Landes und Bundespolizei. Ich finde allerdings, das Innenministerium nimmt hier inzwischen sehr viel Geschwindigkeit auf und ich hoffe deshalb, dass das alles zeitgerecht fertig wird. Jedenfalls ist es viel besser, als es früher war.
Eva Dieterle: Sagt Peter Gerber, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften Herr Gerber, vielen Dank für das Interview.
Peter Gerber, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften: Vielen Dank und guten Abend.