Nach zehn Jahren Sanierung: Jüdisches Ritualbad Mikwe in Worms wieder eröffnet

Als vor fünf Jahren die Entscheidung fiel, dass der Bund jüdischer Gemeinden im Mittelalter in Mainz, Speyer und Worms UNESCO-Weltkulturerbe werden, war das jüdische Ritual-Bad in Worms schon geschlossen. Es musste saniert werden. Zehn Jahre hat die Sanierung der sogenannten Mikwe gedauert, jetzt kann eine der bekanntesten Kulturstätten jüdischen Glaubens in Deutschland wieder besucht werden.

Die Stufen sind uneben, verschieden groß. Wer hinabsteigt, soll sich konzentrieren, ganz bei sich sein, sich vorbereiten auf das, was kommt. Die Wormser Mikwe ist 800 Jahre alt. Sie ist praktisch ein Turm unter der Erde.
Birgit Kita, Geschäftsführerin SchUM Städte
Das Baden in der Mikwe hat nichts mit Reinigen des Körpers, also mit Waschen an sich, zu tun. Im Gegenteil, man geht sauber in die Mikwe. Das Bad in der Mikwe ist eine rein rituelle Reinigung. Das heißt, man reinigt sich innerlich, die Seele soll rein sein. Deswegen ist es auch wichtig, dass man sich schon beim Herabsteigen der Treppe darauf konzentriert, was man gedenkt zu tun, nämlich rein zu werden.
Eine extra für das Ritualbad konzipierte Weitwurfdüse, sorgt neben einem ständigen Brummen, für ein stabiles Raumklima. Wegen der anhaltenden Dürre ist die Grundwasser-Mikwe zurzeit trocken. Aber sie ist wieder sicher. Nach 10 Jahren Sanierung. Das Mauerwerk aus dem 12. Jahrhundert war durch Regen und Algen beschädigt. Es wurde stabilisiert und gereinigt. Damit den historischen Steinen nichts passiert, werden die Algen schonend beseitig.
Birgit Kita, Geschäftsführerin SchUM-Städte
Am Ende ist jetzt dabei herausgekommen: Das Beste, was wir machen können, ist eine alkoholische Lösung aus Oregano. Die wirkt am besten gegen die Algen.
Die Mikwe kann jetzt nach Anmeldung wieder besucht werden. Beschädigt ist auch die Wormser Synagoge. Durch das älteste jüdische Gotteshaus Europas geht ein Riss. Gebaut 1034, wird sie immer wieder zerstört und mit den alten Steinen wieder aufgebaut.
Birgit Kita, Geschäftsführerin SchUM Städte
Auch vor dem Wiederaufbau war der Riss schon vorhanden, auch im Original mittelalterlichen Gebäude, da gab es diesen Riss auch, das zeigen Aufnahmen aus dem 19. Jahrhundert, dass der Riss da auch schon da war. Aber das Klima war stabiler und die Bewegung konnte sich immer wieder stabilisieren, sodass keine Gefahr drohte.
Heute wird die Bewegung von Fachleuten stabilisiert. Die Sanierung läuft. Besucht werden kann die Synagoge gefahrlos. Das ist wichtig, denn Worms gehört neben Mainz und Speyer zu den SchUM-Städten. Der Name setzt sich aus den mittelalterlichen Namen der Städte zusammen, die das europäische Zentrum der jüdischen Gelehrten waren. Für viele Touristen ein Highlight.
Birgit Kita, Geschäftsführerin SchUM Städte
Ganz viele jüdische Menschen aus Israel und auch aus New York, den USA insgesamt, die auf der Suche nach den großen Gelehrten von SchUM sind, die vieles von dem vorgeprägt haben, die für das jüdische Denken von heute noch von großer Bedeutung ist.
Die Sanierungskosten von Synagoge und Mikwe betragen zusammen rund 1,6 Millionen Euro. Als „Jerusalem am Rhein“ sind Worms, Mainz und Speyer im Mittelalter bekannt. Die SchUM-Städte feiern in diesem Jahr 5-jähriges Welterbe-Jubiläum.