Lesestart am Versuchsweinberg Geisenheim

Sie könnten den Weinbau nachhaltiger machen – Solar-Module, die direkt über die Weinreben installiert werden. Im Rheingau testet die Hochschule Geisenheim, wie Photovoltaik-Anlagen die Reben schützen und die Erträge der Weinernte sichern können.

Oben grüner Strom – unten weißer Riesling. Die Photovoltaik-Module bedecken in diesem Weinberg in Geisenheim etwa 1700 Quadratmeter und liefern so den Strom für etwa 35 Haushalte. Daneben: Nochmal die gleiche Fläche mit nicht überdachten Weinreben für den wissenschaftlichen Vergleich.
Die vorläufigen Erkenntnisse: Die Solarmodule kühlen die Temperatur der Weinreben runter, regulieren so deren Wasserhaushalt und schützen die Trauben zugleich vor Starkregen, Hagel und Hitzeschäden in Form von Sonnenbrand. 
Manfred Stoll Instituts- und Projektleiter Hochschule Geisenheim
„Sonnenbrand verändert sowohl die Qualität der Traubenbeere. Das heißt, als Schutz baut die Beere dann mehr phenolische Substanzen letztendlich ein. Und für den Winzer heißt Sonnenbrand auch ein großer Ertragsverlust, der 25 bis 35 Prozent betragen kann.“ 
Der Nachteil dieser Module: Sie lassen nur die Hälfte des Lichtes durch, wodurch der Reifeprozess der Trauben verlangsamt wird. Zudem rechnet sich diese für Forschungszwecke ausgelegte Anlage, so wie sie hier zu sehen ist, für Winzer in der Praxis schlichtweg noch nicht. 
Timon Gremmels (SPD) Minister für Wissenschaft und Forschung Hessen
„Insofern muss es am Ende des Tages auch wirtschaftlich darstellbar sein. Aber das ist das Schöne an der Universität Geisenheim. Dass hier auch die Frage von Weinbau-Ökonomie gelehrt wird. Und auch genau das auch die Zukunftsfragen sind. Wie kriegt man das zukünftig auch für die Winzerinnen und Winzer finanzierbar und machbar? Und genau mit diesen Fragen beschäftigt sich auch hier die Hochschule.“ 
Der erzeugte Strom wird hier gleich mehrfach genutzt: Zum Betrieb dieses autonomen Ernteroboters und für Heizdrähte, die die Trauben ganz automatisiert vor Frost schützen.   
Manfred Stoll Instituts- und Projektleiter Hochschule Geisenheim
„Wenn morgens um 2 Uhr die Temperatur um die 0,4 Grad Celcius beträgt, dann schalten diese Heizdrähte ein. Über Batterien. Den Strom haben wir tagsüber in den Batterien zwischengespeichert und können ihn dann in den frühen Morgenstunden letztendlich auch direkt in die Anlage liefern.“ 
Von einer flächendeckenden Nutzung der sogenannten Agri-Photovoltaik ist man in Deutschland noch weit entfernt. Aber klar ist auch: In Zeiten zunehmender Extremwetterereignisse und lang anhaltender Hitzeperioden könnten sie in Zukunft immer wichtiger werden.