Landesregierung stellt Bildungschancenpaket vor

Mit einem neuen Bildungschancenpaket will Schwarz-Rot in Hessen die Fähigkeiten von Kindern bei Lesen, Schreiben, Rechnen und in der Digitalen Welt noch gezielter fördern. Damit sollen laut Staatskanzlei «die Bildungschancen für alle» gestärkt werden. Doch kaum vorgestellt, wird heute bereits Kritik an den Maßnahmen laut.

 

6,2 Milliarden Euro hat die Landesregierung dieses Jahr in Bildung investiert, soviel wie noch nie. Heute hat Ministerpräsident Boris Rhein in Wiesbaden angekündigt, man lege
Boris Rhein (CDU) Ministerpräsident Hessen
„noch eine Schippe drauf, mit 50 Millionen Euro. Das sind zusätzlich 680 Lehrerstellen. Und wir wollen insbesondere stärken unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch die Schulen im Bereich Deutsch, im Bereich Mathematik und in einem neuen Bereich: künstliche Intelligenz und digitale Welt.“
Konkret sollen Erstklässler eine zusätzliche Deutschstunde in der Woche erhalten. Im vierten und fünften Schuljahr soll ab Sommer 2028 jeden Tag verpflichtend 25 Minuten gelesen werden. Für Kinder mit besonderem Bedarf soll es zusätzlichen Matheunterricht geben. Außerdem soll ab Sommer 2027 ein neues Schulfach in der Mittelstufe eingeführt werden: „KI und digitale Welt“. Das Fach hatte es versuchsweise bereits im vergangenen Schuljahr an einigen Schulen gegeben. Zunächst hatte es dann aber geheißen, das Projekt werde nicht fortgesetzt.
Moritz Promny (FDP) Abgeordneter Landtag Hessen
„Mit Blick auf das Fach KI und Digitale Welt kann man sagen: hier sieht man keine verlässliche Bildungspolitik. Wir erleben ein hin und her. Erst schafft man einen Modellversuch, dann wird es sozusagen abgeschafft und in die Freiwilligkeit überführt im Ganztag jetzt soll es verpflichtend werden. Wir sind gespannt, was als nächstes kommt.“
Die Bildungsgewerkschaft GEW begrüßt das Bildungspaket der Landesregierung zwar grundsätzlich. Angesichts des vielen zusätzlichen Unterrichts bestehen allerdings auch Sorgen.
Thilo Hartmann Vorsitzender GEW Hessen
„Wo kommen die Lehrkräfte her, die jetzt dieses neue Schulfach unterrichten können? Ich glaube es gibt eine Zahl an Lehrkräften, die da durchaus affin sind, die bestimmt auch den ersten Schritt machen wollen, es wird aber eine große Herausforderung, die in der Fläche so auszubilden, dass wir aus dieser einen Stunde in der Woche wirklich das Maximale herausholen und vielleicht auch zu einer Verdoppelung der Stundenzahl zu kommen.“
Der Darstellung, es gäbe bei dem neuen Schulfach ein und Hott, wiederspricht der Kultusminister heute.
Armin Schwarz (CDU) Kultusminister Hessen
„Wir haben es nie abgeschafft, sondern wir haben es ausgerollt. Wir hatten 80 Pilotschulen, ein erfolgreicher Schulversuch, jetzt haben wir 600 weiterführenden Schulen ermöglicht, an diesem Gesamtpaket mit tollen Materialien teilzunehmen. Und jetzt werden wir zum neuen Schuljahr diesen konsequenten Plan und Ausbau fortsetzen.“
Nachdem es im Sommer massive Proteste gegen die Kürzungen der Landesregierung gegeben hatte, die 300 der 650 Stellen für zusätzliche Lehrkräfte an Brennpunktschulen gestrichen hatte, wird diese Maßnahme mit dem neuen Paket zumindest teilweise korrigiert: Der Ministerpräsident und der Kultusminister kündigen an, dass 200 der Stellen über Zeit wieder aufgebaut werden sollen.
Mathias Wagner (B90/Grüne) Fraktionsvorsitzender Hessen
„300 Stellen wurden gestrichen. Jetzt sollen über die Jahre 200 Stellen zurückkommen. Die Landesregierung versucht das als Verbesserung zu verkaufen. Wir sagen: hier sollen die Leute veräppelt werden.“
Viel Kritik also bereits jetzt an den Plänen der Landesregierung. Morgen wird Bildungsminister Armin Schwarz seinen Entwurf im Landtag bei einer Regierungserklärung gegen die Vorwürfe verteidigen.