Julian Weber – Speerwurf-Europameister aus Mainz

Julian Weber ist aktuell der beste deutsche Speerwerfer und gehört auch zu den Besten der Welt. Bei der Europameisterschaft in Birmingham hatte er es ja im Finale bis zum letzten Wurf spannend gemacht, sich am Ende dann spektakulär Gold gesichert. Gestern erzielte Weber beim traditionsreichen Leichtathletik-Sportfest ISTAF in Berlin erneut die Bestweite. Wir haben den Ausnahmeathleten in seiner Heimat Mainz beim Training besucht.

90,4 Meter weit feuert Julian Weber seinen Speer in den Nachthimmel von Birmingham. Danach: Pure Freude über seine zweite Goldmedaille bei einer Europameisterschaft. Dass es tatsächlich für Gold reicht, war allerdings lange nicht klar. Bis zu seinem sechsten Versuch hadert Weber mit dem Anlauf, hat Probleme mit der Achillessehne und liegt nur auf Platz zwei. Er weiß: Im letzten Versuch muss alles stimmen.
            Julian Weber, Europameister 2026: „Ja, ich bin dann die ganze Zeit den Anlauf durchgegangen und hab irgendwie versucht, in meinen Rhythmus zu kommen, dass ich das endlich mal auf die Bahn bringen kann. Und dann wars einfach genial und es war dann einfach perfekt im sechsten Versuch und es hat einfach unfassbar gut gepasst alles. Und ich wusste genau, auch schon während dem Anlauf, ‚Ich flieg da jetzt vorne rein und ich kann da alles reinlegen‘. Und so wars dann auch.“  
Umso größer ist danach die Freude über die Goldmedaille.
            Julian Weber: „Ja, das war einfach pure Eskalation. Und einfach wunderschön, so einen Erfolg mit meiner Familie und meiner Verlobten feiern zu können. Und es wurde auch sehr emotional und einfach unbeschreiblich schön.“ 
Damit im Moment des Wettkampfs alles passt, muss schon in der Vorbereitung alles stimmen. Und die ist vielseitig. 
            Julian Weber, Europameister 2026: „Theoretisch ist unser Training ähnlich aufgebaut wie ein Zehnkämpfer. Ohne die anderen technischen Disziplinen. Also wir springen viel, wir sprinten viel, wir machen mit den Medizinbällen viel, natürlich auch viel Krafttraining. (…). Natürlich sehr viel technisches Training, Drills. Man denkt das gar nicht so, aber der kleinste Anteil meines Trainings ist eigentlich das Werfen an sich.“ 
Anlauf und Wurf sind technisch hochkomplex. Um eine Weite von über 90 Metern zu werfen, muss beides perfekt ineinandergreifen.  
            Julian Weber, Europameister 2026: Es gibt verschiedene Griffformen hier bei dem Speer. Die meisten halten den Speer so in der Hand. Ich hatte mal einen Daumentrümmerbruch beim Handball noch mir zugezogen. Seitdem werfe ich hier im Zangengriff. (..). Dann fliegt man in den Seitwärtsschritten in den Abwurf. Und macht dann am Ende so einen kleinen Sprung, landet auf rechts. (…). Links blockt komplett und rechts arbeitet weiter, weiter, weiter. Und dann kommt ganz als letztes, von ganz weit hinten, der Arm.“ 
Wenn der 32-jährige sein Potenzial auch beim Wettkampf abruft, gehört er aktuell zu den besten der Welt. Was ist drin bei der WM im nächsten Jahr und bei Olympia 2028 in Los Angeles?
            Julian Weber, Europameister 2026: „Alles. Ich will jetzt die nächsten Jahre bis LA wirklich, das ist das Wichtigste, gesund bleiben. (…). Und dann bin ich auch sicher, dass es sehr weit gehen kann und auch noch weiter. Und… die Medaillen hole ich mir.“ 
Das Selbstbewusstsein stimmt beim frischgebackenen Europameister aus Mainz Zwei EM-Titel hat Julian Weber bereits – jetzt fehlt ihm noch Gold auf der ganz großen Bühne. Die nächste Chance darauf kommt schon 2027 in Peking.