Schaltgespräch zu unserem Reporter am Landgericht Koblenz

Unser Reporter Marcel Gassan war heute bei der Urteilsverkündung dabei.

Eva Dieterle: Marcel, wie hast du den letzten Prozesstag heute wahrgenommen?
Marcel Gassan, Reporter in Koblenz: Es war hoch emotional heute im Gerichtssaal. Wir haben es ja auch gerade im Beitrag gehört. Amy Lopez‘ Vater und Bruder sind heute zum ersten Mal erschienen und für sie ist die heutige Urteilsverkündung natürlich ein immens wichtiger Tag. Über die 32 Jahre hinweg kamen immer wieder neue Nachrichten mit neuen Hinweisen zu dem Tod von Amy Lopez. Und sie mussten diesen Tod immer wieder neu durchleben und konnten damit nie so richtig abschließen. Aber heute zur Urteilsverkündung, besteht eben die Möglichkeit, endlich damit abschließen zu können. Und nicht nur für sie, für die Hinterbliebenen. Es ist heute ein wichtiger Tag, auch für die Menschen hier in Koblenz. Der Andrang war heute wieder mal enorm groß, der Zuschauerraum war komplett voll und ich habe mit einigen sprechen können. Und sie haben mir erzählt, dass sie erleichtert sind, dass dieser Täter, dieser Mörder, endlich gefasst wurde und jetzt hinter Gittern sitzt.
Eva Dieterle: Du hast fast alle Prozesstage im Landgericht Koblenz begleitet: Welchen Eindruck hast du über diese Zeit von dem Angeklagten gewonnen?
Marcel Gassan, Reporter in Koblenz: Ich glaube auch, er will endlich damit abschließen. Ich konnte heute noch mal mit dem Anwalt, mit seinem Anwalt sprechen, mit dem Verteidiger und auch er hat mir das gesagt. Und dafür sprechen auch einige Dinge dafür. Der Mann ist 81 Jahre alt, gesundheitlich angeschlagen, kam zu jedem Prozesstag mit einem Rollator in den Gerichtssaal rein, konnte eden Tag nur maximal zwei Stunden teilnehmen und dann noch eine Pause haben und dann vielleicht noch wieder zwei Stunden am Prozess teilnehmen. Aber er hat die Arbeit hier trotzdem erleichtert. Er hat die Tat nämlich direkt zu Beginn komplett vollumfänglich gestanden. Es waren ursprünglich acht Prozesstage angepeilt, es wurden aber jetzt nur vier durch dieses Geständnis und durch diese Kooperation von der Verteidigung. Er hat – also der Angeklagte – heute noch einmal seine Chance genutzt, um ein letztes Statement abzugeben. Nach der Urteilsverkündung hat er heute gesagt: Ich nehme das Urteil an, es ist das Einzige, was ich noch gut machen kann. Um Entschuldigung gebeten hat er heute aber nicht.
Eva Dieterle: Das waren aktuelle Eindrücke aus Koblenz, Marcel. Vielen Dank.