Betriebsversammlung im VW-Werk Kassel

VW steckt mitten in der Automobilkrise, vier Werke könnten schließen, 50.000 Stellen abgebaut werden. Die VW Spitze ist momentan in einer heißen Phase von Betriebsversammlungen, bei denen sie ihrer Belegschaft Rede und Antwort zu den Zukunftsplänen stehen wollen. Sicherheit kann der Vorstand der Belegschaft in Baunatal heute aber nicht geben.

Es ist einer von vielen Terminen in den letzten Tagen, bei dem der VW-Vorstand seinen Mitarbeitern direkt gegenübertritt. 15.000 Beschäftigte produzieren hier in Baunatal Bauteile für die verschiedenen Marken des Konzerns. 6000 haben heute an der Betriebsversammlung teilgenommen. Und die wollen wissen, wie es für sie weitergeht. Neue Erkenntnisse gibt es aber auch heute nicht.
Thorsten Donnermeier, Prüfer bei VW: Es ist nichts für uns rübergekommen, es ist nichts Handfestes rübergekommen. Aber es ist schon klar, was die wollen. Die wollen massiv nochmal Personal wegrasieren und eben nochmal uns eben ans Geld ran, die Kosten eben nach unten treiben. 
VW-Konzernchef Oliver Blume wirbt für einen massiven Sparkurs. Eine Werkschließung in Baunatal scheint zwar unwahrscheinlich. Aber nach Medienberichten denken Vorstand und Aufsichtsrat darüber nach, Komponentenwerke wie in Baunatal aus dem Konzern herauszulösen und in eine eigene Gesellschaft zu verlagern. Die Beschäftigten fürchten, dass sich dadurch ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern könnten.
Katja Cholibois, Mitarbeiterin VW: Dann würden wir natürlich nicht mehr unter dem Manteltarifvertrag fallen und der ganze Schutz würde wegfallen. Natürlich macht das Angst, aber das ist jetzt genau der Punkt, ich bin nicht schlauer als vorher, ich bin immer noch in dieser Ungewissheit. 
Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori Mansoori hat heute ebenfalls an der Betriebsversammlung teilgenommen und stellt Unterstützung vom Land in Aussicht.
Kaweh Mansoori Mansoori (SPD), Wirtschaftsminister Hessen: Aber das setzt erstmal voraus, dass es seitens der Konzernführung auch eine Zukunftsvision gibt und diese Vision ist größer als nur den Abbau von Arbeitsplätzen und Werkschließungen zu diskutieren. Es muss eine Idee geben, wie man VW in die Zukunft führen kann.Die Beschäftigten scheinen dazu bereit zu sein, diese Diskussion zu führen. 
Vom Betriebsrat heißt es, der Standort Kassel stehe wirtschaftlich stark da und habe die vereinbarten Beiträge erbracht. Er erwarte, dass der Konzern zu seinen Zusagen aus dem Tarifabschluss 2024 stehe. Die IG Metall ruft die Beschäftigten auf, an den bundesweiten Aktionstagen am 21. September teilzunehmen. Tarifvertragliche Standards und Mitbestimmung der Beschäftigten dürften nicht unter der Automobilkrise leiden.