Solms nach dem verheerenden Tornado

Es ist genau eine Woche her, dass ein schweres Unwetter über Rheinland-Pfalz und Hessen hinweg-gezogen ist. Besonders hart trifft es das hessische Solms: Ein Tornado entwurzelt Bäume, schleudert Ziegel durch die Luft und reißt ganze Dächer von Häusern. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Bei den betroffenen Bewohnern sitzt der Schock trotzdem noch tief. Wir blicken auf die Unwetter-Nacht zurück –  und schauen auch, wie die Lage vor Ort eine Woche später aussieht.

SolmsOberndorf, am Abend des 19. August. Eine Windhose zieht durch die 14.000 Einwohner-Gemeinde, wirbelt Ziegel und Äste durch die Luft und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Eine Woche später laufen die Reparaturarbeiten auf Hochtouren. Wie hoch genau der angerichtete Schaden ist, ist noch unklar.
            Katharina Didlapp (parteilos), Bürgermeisterin Solms: „Wir gehen aber ganz stark davon aus, dass wir Schäden in Millionenhöhe haben werden. Wir haben sehr, sehr viele Häuser, die betroffen sind, Dächer, die abgedeckt sind. Und wir haben im Grunde in dem betroffenen Gebiet kein Haus, keine Familie, was nicht in irgendeiner Form betroffen ist. Also dann ist eine Photovoltaik kaputt, ein Zaun eingedrückt, ein Dach teilweise oder ganz beschädigt.“ 
Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Solms ist in der Unwetternacht im Dauereinsatz.
            Claus Röming, stellvertretender Stadtbrandinspektor, ersteintreffender Zugführer in der Unwetternacht: „Es war eine Gewitterwolke, wie ich sie in meinem Beruf noch nie gesehen habe. Es war ein Dauergrollen wahrzunehmen, dann gingen auch schon die Sirenen. Dann sind wir hier rübergefahren und eine Lage in diesem Ausmaß habe ich hier, in meinen 25 Jahren bei der Feuerwehr, so noch nicht gesehen.“ 
Besonders schwer trifft es das Haus von Christa Gottschlich. Die 82-jährige ist alleine zuhause als der Tornado über ihr Haus zieht und das Dach herunterreißt.
            Christa Gottschlich: „Ich habe gedacht, ich käme nicht mehr lebend aus dem Haus. Erst kam hier der Hannes, der hat geklingelt… ich konnte nicht mehr laufen. Ich bin an die Haustür und habe gesagt: ‚Ich will nicht mehr leben, ich kann nicht mehr!‘“. 
Eine Woche später sitzt der Schock bei Christa Gottschlich noch tief. Weil ihr Dach provisorisch abgedichtet wird, kann sie aber immerhin in den eigenen vier Wänden bleiben. 
            Christa Gottschlich: „Da waren die ganzen Arbeiter hier, Freunde… Man kanns gar nicht beschreiben, meine Familie… und haben hier aufgeräumt. Also ich muss sagen, es war rührend.“ 
Wenige hundert Meter entfernt wird das Haus der Familie Baglan so schwer beschädigt, dass es aktuell nicht bewohnbar ist. Melissa Baglan und ihre Familie kommen in einer Notunterkunft unter.
            Melissa Baglan, 19 Jahre: „Mein Vater hatte den Dachboden neu renoviert für mich. Alles war neu. Draußen das Tor war neu. Alles war neu hier, der Zaun und alles was hinter mir ist, das war alles neu. (…). An dem Tag von dem Tornado war ich tatsächlich nicht zuhause. Wäre ich zuhause gewesen, wäre ich auf dem Dachboden eingeschlafen. Ich hatte einen riesigen Schutzengel.“ 
Die Familie hofft, dass die Schäden an ihrem Haus durch ihre Wohngebäudeversicherung übernommen werden. Zusätzlich hat sie einen Spendenaufruf ins Leben gerufen. Melissa hofft auf die Hilfsbereitschaft der Menschen – die in Solms nach Angaben der Bürgermeisterin groß ist.
            Katharina Didlapp (parteilos): „Anwohner haben berichtet, dass fremde Personen in Arbeitskleidung dagewesen sind und haben gesagt: ‚Mensch, wir sind Handwerker, wo können wir helfen, wo können wir anpacken?‘. Und das zieht sich so durch.“ 
Auch wenn sich die Nachbarschaft solidarisch zeigt, um die Unwetterbetroffenen zu unterstützen, die nicht oder nur unzureichend versichert sind, hat der Lahn-Dill-Kreis hat einen Antrag auf finanzielle Unterstützung an das Land Hessen gestellt.