Korallen aus Leinsweiler

Wenn sie an Korallen denken, dann sicherlich nicht an die Südpfalz. Dabei gibt es in Leinsweiler die größte Korallen-Zucht Deutschlands. Zehntausende Tiere in allen erdenklichen Farben. Obwohl Korallen oft wie Pflanzen aussehen, sind es  tatsächlich Tiere, genauer gesagt Nessel-Tiere – so wie Quallen auch. Ein ehemaliger Winzer hat sich in Leinsweiler seinen großen Traum erfüllt und züchtet nun seit 10 Jahren hauptberuflich Korallen für den Großhandel.

 

Wie Wesen aus einer anderen Welt tanzen sie in der Strömung. Von pink über blau bis neongelb fluoreszieren sie in den prächtigsten Farben. Korallenzüchter Jürgen Wendel ist vor allem von der Vielfalt der Nesseltiere fasziniert – und dem biologischen System, in dem sie leben. Denn Korallen brauchen mehr als nur Wasser und Nährstoffe.
Jürgen Wendel, Korallenzüchter: „Die Korallenfarben, die wir sehen, sind Algen, somit Pflanzen, die ernährt man über Nährstoffe im Wasser und die Koralle ernährt sich von ihrer Alge und somit ist es eine Symbiose und aber die Farben, die wir sehen, bei jeder Koralle, ist die Farbe der Alge, wo die Koralle im Gewebe hat.“
Ohne ihre Algen wären die Tiere weiß. 25 verschiedene Korallengattungen züchtet Jürgen Wendel hier. Jeweils ein Exemplar hat er gekauft und dann jahrelang über Ableger vermehrt, wie bei einer Pflanze.
Jürgen Wendel, Korallenzüchter: „Eine Koralle hat zum Glück keine Schmerzempfindungen. Also kann man einfach zerteilen und das schöne bei den Weichkorallen ist, die machen sich von selbst fest, das heißt man muss nur schauen, dass die Schnittstelle am Stein anliegt und nach zwei Wochen kann ich die Nadel entfernen und die Koralle ist von selbst auf diesem Stein festgewachsen. // Am besten ist es immer, die Koralle sitzt auf dem gleichen Platz, wo sie vorher war. Da sind Strömung, Licht, das ist sie alles schon gewohnt.“
Jürgen Wendel züchtet hauptsächlich Weichkorallen und ein paar bewegliche Steinkorallen. Weichkorallen brauchen einen Untergrund, auf dem sie wachsen können und besiedeln im Meer hauptsächlich abgestorbene Riffe. Steinkorallen bilden dagegen ihren eigenen Untergrund. Als Futter kommen kleine Krebse ins Becken – allerdings nicht für die Korallen, sondern für ihre Mitbewohner. Kleine Würmer fressen die Krebse. Von deren Ausscheidungen ernähren sich die Algen, die wiederum für die Korallen als Nahrung dienen. In der Natur vermehren sich die Tiere in der Regel anders als in der Zucht.
Jürgen Wendel, Korallenzüchter: „So ein Riff hat einen genauen Zeitpunkt, wann sich das ganze Korallenriff vermehrt und dann tun die männlichen Korallen ihr Sperma abgeben, die weiblichen Korallen ihre Eizellen und dann tut das im Wasser sich vermischen und es entstehen neue Korallen. Im Aquarium ist es eigentlich eher unerwünscht, weil man ja die Koralle nicht irgendwo haben möchte, man will sie auch dort haben, wo sie ihren Platz hat, ihren eigenen Platz.“
Denn auch Korallen führen Revierkämpfe – mithilfe ihres Nesselgifts. 35.000 Tiere leben hier. Pro Monat wachsen rund 10 Kilo neue Korallen. Sind sie alt genug, verkauft Jürgen Wendel sie unter anderem an Zoohandlungen. Damit auch andere die Schönheit der Nesseltiere bewundern können.