Südwestdeutsche Wohnungswirtschaft zieht Bilanz

Der Wohnungsbau steckt weiter in der Krise. In Hessen müssten bis 2030 jährlich über 26.000 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf an Wohnraum zu decken. In Rheinland-Pfalz sind es über 15.000 pro Jahr. Doch davon ist man weit entfernt. Positive Beispiele muss man quasi mit der Lupe suche.

In Rüsselsheim entsteht derzeit auf 6.000 Quadratmetern eine komplett neue Wohnanlage. Vier Häuser mit über 100 Wohnungen. Gesamtkosten: 33 Millionen Euro, das Land Hessen übernimmt 28 Millionen. Denn der Großteil des Neubaus ist geförderter Wohnraum.
Petra Löhr, Gewobau Rüsselsheim
„Wir haben in Rüsselsheim natürlich auch einen hohen Wohnungsbedarf. Wir sitzen hier mitten im Rheinmain-Gebiet, quasi im Zentrum. Mit guten Anschlüssen in alle Richtungen. Für Familien, für Einzelpersonen, für Paare, verschiedene Zielgruppen, die wir haben. Die Nachfrage ist unverändert groß.“
Die Fördermittel für den Wohnungsbau werden aber immer weniger. Der Bund will hier über eine Milliarde Euro streichen, Hessen fördert künftig keine energetische Sanierungen mehr. Der Verband der Wohnungswirtschaft VdW Südwest fordert künftig wieder mehr Fördermittel, sagt aber auch:
Axel Tausendpfund, Vorstand VdW Südwest
„Grundsätzlich möchten wir natürlich auch ohne Fördermittel bauen können. Tatsächlich sind die Baukosten aber so hoch, das heute Mieten zwischen 18 und 22 Euro verlangt werden müssen, um überhaupt als Bauherr auf eine schwarze Null zu kommen. Dieser Betrag ist natürlich viel zu hoch, das können sich die wenigsten Menschen leisten.“
Angesichts der weltweiten Krisen hätten die Baukosten seit 2019 um mehr als 50 Prozent zugelegt – mehr als doppelt soviel wie bei den allgemeinen Preissteigerungen. Zudem würden zu wenige Bauprojekte genehmigt: (Grafik) In Hessen sind es im ersten Halbjahr 2026 zwar knapp 4 Prozent mehr als im Vorjahr; in Rheinland-Pfalz sind es aber 1,5 Prozent weniger. Zum Vergleich: Auf Bundesebene gab es über 15 Prozent mehr Baugenehmigungen.
Axel Tausendpfund, Vorstand VdW Südwest
„Bei, weitem nicht das, was wir tatsächlich benötigen. Und das kann an sich nicht der Anspruch von Hessen sein als eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer, dass es in dieser Statistik hinterherhinkt.“
Der VdW fordert, die Bauvorschriften stark zu vereinfachen. Zumindest in Rüsselsheim hat es mit Genehmigung und Förderung geklappt: Kommenden Sommer soll dort alles fertig sein.