Schaltgespräch mit Thomas Rüger, Handelsverband Hessen

Die neue Verpackungsverordnung ist komplex. Deshalb spricht Eva Dieterle mit Thomas Rüger vom Handelsverband Hessen.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Guten Abend.
Thomas Rüger, Handelsverband Hessen:
Guten Abend.
Dieterle:
Herr Rüger, ja seit kurzem gibt es eine neue Verpackungsverordnung, die strenge Vorgaben beinhaltet. Was halten Sie davon?
Rüger:
Also grundsätzlich halten wir die Verpackungsverordnung, die neue, die PPWR, wie sie seit dem 12. August heißt, im Kern in der Absicht, für richtig und auch für wichtig. Die neue Verpackungsverordnung stellt quasi die europäische Umsetzung der alten Verpackungsordnung, die wir seit 2019 schon hatten, da und steht daher für eine europäische Angleichung, die wir grundsätzlich begrüßen. Womit wir vielleicht eher ein Thema haben, ist nicht der Grundsatz dieser Regelung, sondern die Verteilung und die Zuordnung der Rollen der Länder, der Materialkomponenten. Das sind alles wahnsinnig viele Anforderungen an den Handel, die der Handel selbst herausfinden muss, sich organisieren muss, darlegen muss, dokumentieren muss, sich Zertifikate holen muss. Das ist die Herausforderung, die der Handel jetzt also stärker hat als vorher.
Dieterle:
Das bedeutet also schon jetzt deutlich mehr Bürokratie für den Handel vor Ort und online?
Rüger:
Ja, es ist deutlich mehr Bürokratie. Und wenn wir natürlich an den Onlinehandel denken, der die Waren sicher und gut verpackt zum Kunden bringen möchte, dann haben wir natürlich das Thema, dass verdammt viele Komponenten in so einer Verpackung drin sind. Und die Pflichten gelten für alle Komponenten unterschiedlich. Da reden wir über den Karton. Wir reden über das Klebeband, wir reden über das Versandetikett, was draufgeklebt wird. Und dann haben wir natürlich auch noch die Füllmaterialien, die auch noch da mit reinspielen. Also ein schon starker Aufwand für verdammt viele Dinge. Und dann reden wir über Warenströme, das heißt, wir müssen das auch immer wieder neu alles dokumentieren und organisieren.
Dieterle:
Ziel der neuen Verpackungs-Verordnung ist es ja, künftig weniger Müll zu produzieren und noch mehr auf Recycling zu setzen. Müssen beim Thema Umweltschutz nicht alle – auch die Händler – bereit sein, ihren Beitrag zu leisten?
Rüger:
Absolut richtig. Und der Handel tut das ja auch und tut es auch gerne. Was wir brauchen, sind klare Regeln. Wir brauchen klare Definitionen in den Rollen, welche Rolle wir einnehmen, wenn wir Dinge verkaufen oder einpacken. Diese Sachen müssen eindeutig und klar geregelt werden. Grundsätzlich regelt die PPWR ja die Themen Abfallvermeidung, besseres Recycling und steht für die europäische Harmonisierung. Da haben wir natürlich ein Interesse daran, dass es funktioniert. Wir brauchen aber ganz klare Regeln und einfachere, umsetzbare Regeln, vor allen Dingen für kleinere und mittlere Unternehmen, weil kleiner Laden eine Ecke der Dinge in Papiertüten verpackt und sich dann schon vielleicht freut, dass die Dinge eben so schön und ökologisch sauber verpackt auf den ersten, dann auf den Dosen dann nicht diese ganzen Fragen noch zukommen. Wer ist dafür verantwortlich? Wo kommen sie her? Muss ich das alles machen? Und wenn er nicht dafür verantwortlich ist, muss er sich die Information auch holen woanders. Und das macht es einfach kompliziert. Und Stichwort Bürokratieabbau. Nein, das geht definitiv in der Umsetzung einfacher und besser. Im Kern ist die Regelung absolut richtig.
Dieterle:
… sagt Thomas Rüger vom Handelsverband Hessen. Vielen Dank für das Interview.
Rüger:
Ganz vielen Dank für die Einladung.