Bilanz zum Brandsommer – Im Gespräch mit Kreisbrandinspektor Christian Rossel

Mindestens 160 Waldbrände gab es in Hessen bereits in diesem Jahr. Viele davon lagen in den letzten vierzehn Tagen, in denen die Trockenheit und Hitze ihren Höhepunkt erreicht haben. Die Feuerwehren waren fast im Dauereinsatz – die Helfer mussten bei Temperaturen von 35 Grad und mehr oft an ihre Grenzen gehen.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Jetzt wo es wieder etwas Regen gibt, und die meisten Feuer gelöscht sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen und eine erste Bilanz dieses außergewöhnlichen Sommers ziehen. Und das mache ich jetzt mit dem Kreisbrand-Inspektor des Rheingau-Taunus-Kreises Christian Rossel.
Christian Rossel, Kreisbrandinspektor Rheingau-Taunus-Kreis
Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle:
Herr Rossel wie fällt denn ihre Bilanz dieses Brand-Sommers aus?
Rossel:
Ja, wir haben aufregende Tage und jetzt auch fast schon Wochen hinter uns. Ich will das auch vielleicht kurz in Zahlen fassen. Zum Thema Wald und Vegetationsbrand sind bei uns im Rheingau-Taunus-Kreis im letzten Jahr, also 2025, 33 Mal die Feuerwehren alarmiert worden. Und in diesem Jahr sind wir bereits jetzt schon, obwohl das Jahr danach noch läuft, bei 140 Alarmierungen und davon allein in den letzten 14 Tagen 63. Also Sie sehen, das war ein deutlich anspruchsvolleres Jahr für uns in diesem Bereich und auch die letzten Tage und Wochen haben uns hier deutlich gefordert.
Dieterle:
Hatten Sie denn das Gefühl, dass die Feuerwehren im Kreis gut genug ausgerüstet sind, für Waldbrände in dieser Häufigkeit? Man muss ja davon ausgehen, dass die Intensität auch in den nächsten Jahren hoch bleibt.
Rossel:
Wir haben uns schon vor fast fünf Jahren bei diesem Thema auf den Weg gemacht, Planungen aufgestellt, die Ausbildung daran ausgerichtet und auch Material beschafft, weil wir wussten, es wird mehr in diesem Bereich werden, was die Feuerwehren und die Einsatzkräfte fordern wird. Allerdings haben uns die Einsätze von diesem Jahr gezeigt, dass die Planungen nicht abschließend sind und wir natürlich auch das Ganze noch einmal jetzt überprüfen müssen, auswerten müssen, weil es schon feststeht, dass wir jetzt schon wieder an unsere Grenzen gekommen sind.
Dieterle:
Gibt es denn spezielles Material, was Ihnen fehlt? Irgendetwas, dass Ihnen und Ihren Kollegen direkt weiterhelfen könnte?
Rossel:
Was natürlich immer ein Thema ist, weil zum Beispiel auch die Forstwege für uns immer schwieriger passierbar werden. Sind natürlich geländegängige Einsatzfahrzeuge, die vielleicht auch etwas kompakter sind, die uns so nah wie möglich an die Einsatzstelle kommen lassen, damit wir das ganze Material nicht händisch tragen müssen. Also das würde sicherlich auf der Liste stehen, was wir noch mal beleuchten müssen. Und wenn man die Perspektive komplett wechselt auf die Einsatzkräfte, dann ist es sicherlich Einsatzkleidung, die diesen Witterungen und Bedingungen angepasst ist. Also deutlich dünnere und trotzdem Schutz bietende Kleidung wäre hier gefordert. Die sicherlich aber nicht momentan für jede Kommune bei der Haushaltslage erreichbar ist.
Dieterle:
Wie entstehen denn diese vielen Brände? Liegt die Ursache für die Häufung allein in der Hitze und der Trockenheit?
Rossel:
Ja, auch da haben wir viel dazulernen müssen. Es war schon immer klar, dass teilweise etwas leichtfertig umgegangen wird. Also bei diesen Rahmenbedingungen, bei diesen Temperaturen mit den Flammarbeiten von Grün und Rasenflächen zu beginnen am Garten, das war mehrfach Brandauslöser. Wir haben aber auch Grills im Wald gefunden, Einweggrills, wo Menschen einfach mitten im Wald sich anscheinend die Zeit genommen haben, um dort ein Picknick zu vollziehen mit offenem Feuer. Aber wir mussten auch lernen, gerade hier in Bad Schwalbach, wo die Brände jetzt in den letzten Wochen am häufigsten waren, dass das mit Absicht und menschengemacht war und das in einer Art, wie wir sie so nicht kannten.
Dieterle:
Immer wieder hört man auch von fahrlässiger Brandstiftung, beispielsweise durch Zigarettenstummel oder Glasflaschen. Welche Rolle spielt das?
Rossel:
Zum Teil also die weggeworfenen Zigarettenkippen, das haben wir nachweislich auch, die noch glimmen, waren auch hier in der Gegend jetzt nachweisbar mehrfach Brandauslöser gewesen. Also auch das passiert immer noch. Der Mythos von der Glasscherbe oder von der Glasflasche, der ist wissenschaftlich eigentlich schon seit einiger Zeit behoben. Denn die Rahmenbedingungen, die es dafür bräuchte, die kann man nur im Labor erzeugen. Also die Glasscherbe ist hier auszuschließen.
Dieterle:
Das sagt der Kreisbrand-Inspektor des Rheingau-Taunus-Kreises. Christian Rossel, vielen Dank.
Rossel:
Danke schön.