Diskussion um Wiedereinführung des Zivildienstes
Vor 15 Jahren wurde die Wehrpflicht und damit auch der Zivildienst ausgesetzt. Aktuell wird wieder verstärkt über eine Wiedereinführung diskutiert. Der Anlass: Das Bundesfamilienministerium bereitet eine mögliche Wiedereinführung des Zivildienstes vor. Aber wie könnte dieser aussehen?
Die Krankenwägen bestücken, das Lager auffüllen und bei Rettungseinsätzen mit anpacken. So sieht Jans Alltag in seinem freiwilligen sozialen Jahr beim Deutschen roten Kreuz aus. Für den 19-Jährigen eine lehrreiche Zeit und für die Rettungswache eine willkommene Unterstützung.
Jan Mayer, Freiwilligendienstleistender im Rettungsdienst
„Wir unterstützen schon viel die Notfallsanitäter und dürfen auch eigene Aufgaben bewältigen, solange die Notfallsanitäter uns das zutrauen. Im Großen und Ganzen werden wir hier im Team als eine ganz normale Arbeitskraft angesehen.“
Genau diese Unterstützung fehlt vielerorts in sozialen Berufen, die besonders unter dem Fachkräftemangel leiden. Für die CDU, die die Debatte, um den Zivildienst erneut angestoßen hat, ein entscheidender Punkt.
Christoph Gensch (CDU), Fraktionsvorsitzender Landtag RLP
„Ich halte das auch für extrem wichtig, dass viele Menschen Einblicke in Gesundheits- und Sozialberufe bekommen, um dort dann vielleicht auch perspektivisch tätig zu sein. Und wenn wir dort viele Leute haben, die über Kompetenzen verfügen, macht es die Gesellschaft im Krisenfall resilienter. Wir haben dann ausgebildete Rettungssanitäter, wir haben dann Pflegekräfte, wir haben dann Leute, die in diesen Bereichen arbeiten können und mal wieder einspringen können.“
Die Sozialverbände begrüßen grundsätzlich die Debatte um den Zivildienst, betonen aber: Eine Lösung für den Fachkräftemangel sei er nicht. Ihnen ist wichtig, dass …
Anke Marzi, Vorsitzende Deutsches rotes Kreuz RLP
„… der Zivildienst auch ein Bildungsdienst wird und nicht nur eine günstige Arbeitskraft im Rahmen eines Pflichtdienstes, sondern dass es darum geht junge Menschen auch auf ihrem Weg zu begleiten. Die Zeit zu nutzen, dass sie für die Gesellschaft etwas beitragen können. Und deshalb ist es wichtig, dass es ein Bildungsangebot ist mit Bildungswochen und pädagogischer Begleitung.“
In den freiwilligen Diensten sind diese Bildungsangebote integriert. Im früheren Zivildienst war das nicht der Fall.
Auch Jan hat von diesen Bildungsangeboten profitiert und hier seine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht. Er will im Rettungsdienst bleiben, darin hat ihn das FSJ bestärkt. Einen verpflichtenden Dienst hält er aber für keine gute Idee.
Jan Mayer, Freiwilligendienstleistender im Rettungsdienst
„Also ich finde es eine gute Idee, um sich selbst zu finden und vor allem um etwas für die Allgemeinheit zu tun. Aber ich finde jeder Mensch sollte selbst entscheiden, was er machen möchte und was nicht.“


