Reporterin Franziska Marquardt in Koblenz: Eindrücke vom Prozessauftakt im Fall Amy Lopez

Ein Fall, der viel für Aufsehen gesorgt hat, auch über die Landesgrenzen hinaus. Unsere Reporterin Franziska Marquardt war beim Prozessauftakt heute Morgen vor Ort in Koblenz.

Markus Appelmann, Moderator:
Franziska, wie sind deine Eindrücke, was ist das für ein Mensch, dieser mutmaßliche Täter?
Franziska Marquardt, Reporterin in Koblenz:
Da kam ein alter Mann mit Rollator rein, ein ruhiger alter Mann. Er selbst hat sich nämlich heute gar nicht geäußert. Er hat aber im Vorfeld mit einem Gutachter gesprochen und ihm geschildert, wie er sich noch an diesen Tattag erinnert. Und demnach habe Hans Joachim S. ein Kopfkino, wie er es genannt habe, schon länger gehabt, dass er eine Frau vergewaltigen möchte. Er habe aber auch gesagt, dass er sich nie hätte vorstellen können, dass er mal jemanden tötet. Und als er dann zum ersten Mal auf Lopez eingestochen habe, da sei er von sich selbst geschockt gewesen und habe auch einen Filmriss, was die restliche Tat noch angeht. Da muss man aber auch mal die Vergangenheit von Hans Joachim S. schauen. Er war bereits mehrere Jahre im Gefängnis, ist mehrfach verurteilter Sexualstraftäter, unter anderem mehrere versuchte Vergewaltigungen und auch durchgeführte Vergewaltigungen in mehreren Fällen. Eine davon war auch mit einer Entführung. Und ihm wurde unter anderem angeordnet, ein sogenanntes triebdämpfendes Medikament zu nehmen.
Appelmann:
Nun ist diese ganze Tat ja über 30 Jahre her. Wie sind die Ermittler ihm nach so langer Zeit auf die Schliche gekommen?
Marquardt:
Die Antwort ist hier: der technologische Fortschritt. Und zwar gab es an der Innenseite am Hosenbund des Opfers eine DNA-Spur des Täters. Die hat man damals aber noch nicht erkannt und die Hose wurde nochmal neu untersucht. Und jetzt wurde eben mit den modernen Technologien diese DNA-Spur gefunden. Jetzt hatte man die DNA-Spur, aber eben noch nicht den dazugehörigen Mensch. Und dafür hat man dann einen Aufruf gemacht, eine sogenannte DNA-Reihentestung. Da wurde eine bestimmte Personengruppe angeschrieben und gebeten, eine Speichelprobe abzugeben. Und einer dieser Personen, die diese Speichelprobe abgegeben haben, war Hans Joachim S. Und sein Anwalt hat uns heute erzählt, dass er ganz bewusst daran teilgenommen hat. Man muss nämlich wissen, diese Speichelprobe ist freiwillig, dass man die abgibt. Und er habe ganz bewusst daran teilgenommen, weil er einfach reinen Tisch jetzt mit der Sache machen wollte. Und so kam es eben, dass nach 32 Jahren endlich der mutmaßliche Mörder von Amy Lopez festgenommen werden konnte.
Appelmann:
Eine DNA Spur führt nach Jahrzehnten zu dem mutmaßlichen Täter. Danke Franziska Marquardt vor Ort in Koblenz.