Prozessstart nach über 30 Jahren: 81-Jähriger wegen Mordes an Amy Lopez in Koblenz vor Gericht
Eine Schlange vor dem Landgericht Koblenz, ein Angeklagter mit Rollator – und ein Verbrechen, das ganz Deutschland 1994 geschockt hat: Spielende Kinder finden die Leiche der US-amerikanischen Touristin Amy Lopez an der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz, brutal getötet. Und heute nun hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen.
Diesen Mann haben die Ermittler über drei Jahrzehnte lang gesucht. Den deutschen Hans Joachim S. Der heute 81-Jährige muss sich wegen Mordes verantworten:
Laut Anklage soll er zur Befriedigung des Geschlechtstriebes und aus niedrigen Beweggründen die 24-Jährige Amy Lopez heimtückisch ermordet haben.
Rückblick: Im September 1994 war die US-Amerikanerin auf Europa-Reise – hat den Trip von ihrem Vater zum College-Abschluss geschenkt bekommen. Auch in Koblenz macht sie Halt. Hier an der Festung Ehrenbreitstein soll sie vom damals 49 Jahre alten Hans Joachim S. angesprochen worden sein.
Im abseits gelegenen General-von-Aster-Zimmer fesselt er sie mit Handschellen, vergeht sich sexuell an ihr sie und tötet sie mit mehreren Messerstichen – so die Anklage.
Der 81-Jährige räumt die Tat heute durch seinen Verteidiger im vollen Umfang ein.
Volker Klein, Verteidiger des Angeklagten
„Es wird eine Verurteilung wegen Mordes erfolgen. Da brauche ich das Urteil jetzt nicht vorwegzunehmen, da er es ja eingeräumt hat. Ob die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird – das kann ich nicht sagen. Es spielt dann aber auch keine Rolle mehr, weil er ist jetzt 81 Jahre alt. Wenn die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird, kann er nach 15 Jahren keinen Antrag stellen auf frühzeitige Haftentlassung insofern wäre er dann 96, wenn das in Kraft treten würde. Wenn die besondere Schwere der Schuld festgestellt wird, dann bleibt er eben im Gefängnis und wird da – vermute ich – auch sterben.“
Lange Zeit gilt der Fall als „Cold Case“, also als ungelöster Kriminalfall. Auch Fahndungen nach den Gegenständen, die Amy Lopez bei sich hatte – wie ihre weiße Tasche oder ihre Brille – bleiben erfolglos. Nur durch neue DNA-Analysemethoden konnten Ermittler den mutmaßlichen Täter jetzt ausfindig machen.
Zur großen Erleichterung des Vaters von Amy Lopez. Er erscheint heute nicht persönlich, hofft aber nach Jahrzehnten endlich mit dem Tod seiner Tochter abschließen zu können. Der Vater und Amys Bruder lassen sich durch ihre Anwälte vertreten.
Kathrin Kienle, Anwältin der Familie Lopez
„Die Familie ist vor allem und darauf hat sie Wert gelegt den Ermittlungsbehörden wirklich außerordentlich dankbar für die Ermittlungsarbeit, für die Beharrlichkeit letztlich ja über mehr als drei Jahrzehnte hinweg und erhofft sich jetzt natürlich eine möglichst lückenlose Aufklärung durch das Gericht und im Falle der Verurteilung wegen Mordes natürlich auch die dafür vorgesehen lebenslange Freiheitsstrafe.“
Die Kriminalpolizei nimmt den 81-Jährigen im Februar in diesem Seniorenwohnheim im Raum Koblenz fest. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Seine Frau ist vor rund zwei Jahren gestorben.
Das öffentliche Interesse zum Prozessauftakt ist riesig: Der Zuschauerraum prall gefüllt.
Andreas Nilles, Prozessbeobachter
„Es hat mich sehr bewegt. Ich habe mir den ganz anders vorgestellt. Er ist doch ein sehr in die Jahre gekommener, gebrechlich wirkender Mann und man hat da ein anderes Bild. Man stellt sich dann irgendwie so eine Bestie vor. Er wirkte gar nicht wie eine Bestie auf mich. Ich denke er hat wahrscheinlich bereitwillig alles gestanden, weil er vielleicht auch etwas zum Abschluss bringen wollte.“Friedrich Kraemer, Prozessbeobachter
„Die Tragik ist, dass eine junge Frau ihr Leben gelassen hat und dass dann wirklich heute die Tragödie ein Ende findet, und ich rechne mit einem absoluten Schuldig-Spruch.“


