Baustopp wegen Niedrigwassers: Materialengpässe belasten Baubranche

Wir haben in den vergangenen Tagen oft über das Rekordniedrigwasser im Rhein und an anderen Flüssen berichtet. Die ausgetrockneten Wasserstraßen belasten nun auch das Baugewerbe. Dort gehen durch die niedrigen Pegelstände die Transportkosten in die Höhe, Lieferungen verzögern sich und das Bauen wird teurer. Das führe auch beim Bau von Mehrfamilienhäusern, die wir dringend brauchen, zu Problemen, so die Baubranche, die immer mehr unter Druck steht.

Markus Appelmann, Moderator :
Darüber sprechen wir jetzt mit Thomas Reimann. Er ist Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer in Hessen. Guten Tag.
Thomas Reimann. Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer in Hessen:
Schönen guten Tag.
Appelmann:
Welche konkreten Folgen hat das Rekordniedrigwasser im Rhein und an anderen Flüssen für Bauherren?
Reimann:
Schiffe werden geringere Ladung aufnehmen können. Wir brauchen Sand. Wir brauchen Kies. Wir brauchen auch Stahl., wenn gebaut wird. Und wenn das weniger transportiert wird, muss es häufiger bewegt werden mit mehr Schiffstransport. Das heißt, es wird teurer. Und die Kosten für Bauherren, die jetzt beispielsweise sich mit dem Wohnungsbau befassen, werden noch einmal teurer.
Appelmann:
Heißt das ganz konkret, dass Deutschland das Ziel, mehr zu bauen, auch dieses Jahr nicht schaffen wird?
Reimann:
Solange wir Auflagen, Gesetze und Verordnungen nicht vereinfachen, die Normen nicht zurückführen, solange wird es uns nicht gelingen, ausreichend gerade bezahlbaren Wohnraum bauen zu können. Von daher werden wir dieses Ziel, was wir mal hatten und inzwischen werden ja schon gar keine Zahlen zur Fertigstellung mehr gesagt, auch dieses Jahr nicht erreichen.
Appelmann:
Herr Reimann, Sie haben schon früh eine Idee geäußert, wie mehr Wohnraum geschaffen werden kann, und zwar indem Büroflächen zu Wohnungen umgebaut werden. Warum wird das gerade im Rhein-Main-Gebiet nicht viel öfter umgesetzt?
Reimann:
Ich glaube, da fehlt uns noch ein Stück weit das Verständnis dafür. Und diese Situation, die wir jetzt mit dem Niedrigwasser haben, das ist ja doch eine ganz besondere, die wieder zum Nachdenken anregt. Deswegen greife ich das gerne auf. Wir sollten vermeiden, Kapazitäten, die wir im Transport haben, unnütz zu vergeuden. Und dazu zählen oft auch Abbrucharbeiten., Erdaushub, den wir transportieren müssen über Straße oder Schiff. Wenn wir darauf verzichten würden und bestehende Gebäude ,wie beispielsweise auch Bürohochhäuser, einer neuen Nutzung zuführen könnten, die beispielsweise in einen wirtschaftlichen Bereich dann greift, dann würden wir erhebliche Kosten gerade auch für Transport, gerade auch für Energie sparen können.
Appelmann:
Herr Reimann, Bundesbauministerin Verena Hubertz war vor kurzem auf einem Termin in Frankfurt und hat die so wörtlich “unsäglichen Baukosten” kritisiert. Zur Wahrheit gehört doch aber dazu, dass die Politik über gesetzliche Auflagen auch Mitschuld an den hohen Baukosten ist. Was muss sich ändern, damit wieder mehr gebaut wird?
Reimann:
Ich glaube schon, dass die Politik weiß, was sie tun kann. Aber sie tut es nicht. Uns fehlt das Handeln. Und da verstehe ich die Aussage von Verena Hubertz in Frankfurt nicht so ganz, denn sie ist ja auch eine derer, die die Stellschraube auf Bundesebene drehen könnte. So wie es beispielsweise Kaweh Mansoori mit seinem Team hier in Hessen tut. Wir haben das Baupaket 1 verabschiedet. Wir stehen mit dem Baupaket 2 kurz vor Abschluss und haben das Baupaket 3 begonnen. Bauen muss günstiger werden und dazu ist es einfach erforderlich, dass wir auf viele Verordnungen und Gesetze, Vorschriften, Laufzeiten, die wir haben, verzichten, dass wir da entschlacken, Bürokratie abbauen, wie beispielsweise am Beispiel der europäischen Nachbarn in der Niederlande, die das gleiche Problem 2012 hatten, bis 2014 eine Baurechtsreform vollzogen haben und bauend 30 % günstiger machten.
Appelmann:
Niedrige Pegelstände, noch höhere Preise und Engpässe am Bau. Danke an Thomas Reimann vom Verband baugewerblicher Unternehmer in Hessen.
Reimann:
Vielen Dank für das Gespräch.