Niedrigwasser bedroht Ökosysteme

In Rheinland-Pfalz und Hessen spitzt sich die Lage an den Flüssen zu. Immer neue Negativrekorde werden noch einmal unterboten. Der Rhein ist also für die meisten Schiffe nicht mehr durchgängig befahrbar. Doch das Niedrigwasser belastet nicht nur die Wirtschaft: Auch die Ökosysteme geraten unter Druck. Für Fische wird die Kombination aus Hitze, Sauerstoffmangel und Schadstoffen zunehmend lebensgefährlich.

Hier in Bingen, wo die Nahe in den Rhein mündet, liegen Bojen auf dem Trockenen und Menschen laufen durch das Flussbett. Am Pegel Kaub wird heute mit 6 Zentimetern ein historischer Tiefstand erreicht – so niedrig wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Klara Harris vom Naturschutzbund Rheinland-Pfalz warnt: Das verbliebene Wasser erwärmt sich, enthält weniger Sauerstoff und bietet Tieren und Pflanzen schlechtere Bedingungen.
Klara Harris, Naturschutzbund Rheinland-Pfalz
„Also nicht nur den Fischen geht’s im Moment sehr schlecht, sondern das komplette Flussökosystem leidet. Man kann sich vorstellen, wenn die gesamtem Uferrandbereiche und auch Teile des Flussbetts komplett austrocknen, dass viele andere Tierarten auch ihren Lebensraum, ihren Rückzugsraum verlieren. Dazu gehören zum Beispiel Muscheln, aber auch Amphibien und andere wirbellose Tiere.“
Eine Besserung sei momentan nicht in Sicht. Das zeigen auch die Messungen der Rheinwasser-Untersuchungsstation in Mainz. Seit genau 50 Jahren liefern ihre Daten die Grundlage für die Bewertung des Flusszustands. Neben der Temperatur und dem Sauerstoffgehalt seien momentan vor allem Schadstoffe wie Arzneimittelrückstände alarmierend. In Kombination mit Niedrigwasser ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Dr. Andreas Schiwy,  Leiter der Rheinwasser-Untersuchungsstation Mainz-Wiesbaden
„Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann sich lösen. Dann kommt die Herausforderung an die Organismen, die dann, um den geringen Anteil an Sauerstoff zu bekommen, schneller atmen müssen. Und dann kommt der Anteil der Menschen. Nämlich die Belastung der Gewässer. Wie viele Schadstoffe, sind aktuell im Gewässer. Diese werden intensiver durch die Organismen geschleust. Sie atmen schneller über die Kiemen und damit setzen sie sich unmittelbar auch den Schadstoffen schneller aus.“
Die erhobenen Daten gehen an die zuständigen Landesämter in Hessen und Rheinland-Pfalz. Stationsleiter Schiwy betont: die Verantwortung für den Gewässerschutz liege bei der Politik.
Michael Mätzig, Rheinland-pfälzische Umweltsekretär
„Wasser ist eine Ressource, die knapp wird, die immer knapper wird. Um die wir tatsächlich kämpfen werden und kämpfen müssen. Darum ist es tatsächlich auch wichtig, dass wir uns um den Gewässerschutz kümmern, dass wir auch Wasser vorhalten. Aber natürlich auch, dass wir als Land die Kommunen befähigen, mehr zu tun.“
Wie sich die Situation weiterentwickelt, hängt vor allem von der weiteren Wetterlage ab. Kurzfristig kann nur ausreichend Regen für Entspannung sorgen. Langfristig gehe es aber darum, mehr Wasser in der Landschaft zu halten und die Gewässer widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit zu machen.