Zu Gast im Studio: Prof. Robert Reinecke, Wasserforscher Uni Mainz

Markus Appelmann spricht mit ihm über die Ursachen des Niedrigwassers und die Folgen der geplanten Rheinvertiefung.

Markus Appelmann, Moderator:
Und dieses Thema wollen wir noch weiter vertiefen. Wir begrüßen einen der führenden Wasserforscher weltweit von der Universität in Mainz, Professor Robert Reinecke, Herzlich willkommen! Wir haben gerade eben im Beitrag gehört, dass der Rhein womöglich bald nicht mehr durchgängig befahrbar sein wird. Wissen Sie, wann das passieren wird?
Prof. Robert Reinecke, Wasserforscher Universität Mainz:
Na ja, eigentlich ist er jetzt auch schon nicht mehr richtig durchgängig befahrbar. Die großen Transportschiffe müssen eigentlich schon seit Wochen mit halber Ladung oder Drittelladung fahren und jetzt ist es eigentlich schon nicht mehr wirklich möglich. Auch der Tourismus ist eigentlich schon extrem eingeschränkt. Ganz auf Null, also ganz leer wird der Rhein da nicht fließen. Aber wir müssen rechnen, dass am Ende der Woche der Pegel einen einstelligen Wert erreicht, was ein absolutes Extrem sein wird.
Appelmann:
Der Rhein hat nicht einfach nur Niedrigwasser, sondern einen historischen Tiefstand. Wie konnte es dazu kommen?
Reinecke:
Da spielen mehrere Faktoren rein. Zum einen haben wir diese Hitzeperiode gerade, die außergewöhnlich ist, extrem hohe Temperaturen. Die führen dazu, dass das Wasser schneller verdunsten kann, also mehr Wasser verdunstet. Dann haben wir eine außergewöhnliche Dürre, die da mit reinschlägt. Das heißt, nicht nur verdunstet mehr Wasser, sondern es kommt auch wenig nach. Wir haben extrem wenig Regen, die Böden sind alle furchtbar trocken. Und als dritten Faktor haben wir auch noch im Winter extrem wenig Schnee in den Alpen gehabt. Das heißt, uns bleibt die ganze Schneeschmelze aus. Diese Faktoren kombiniert führen leider zu dieser Extremsituation.
Appelmann:
Jetzt hat sich die Politik mit einer möglichen Lösung zu Wort gemeldet. Und zwar soll der Rhein ausgebaggert, vertieft werden. Das hat der Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz gesagt. Aber auch der Bundesverkehrsminister. Ist das Ihrer Meinung nach die Lösung?
Reinecke:
Das ist keine Lösung. Punktuell können das grundsätzlich sinnvolle Maßnahmen sein, um sehr wichtige Engstellen irgendwie freizuhalten in bestimmten Situationen. Jetzt hilft es uns sowieso nicht mehr und in der Zukunft als eine Anpassungsmaßnahme zum Klimawandel ist es erstens nicht wirtschaftlich, an so vielen Orten auszubaggern und es hat extrem negative Folgen für die Natur und für das Wasser.
Appelmann:
Sie sagen “punktuell”, aber der Pegel Kaub, da könnte man punktuell was machen.
Reinecke:
Da könnte man sich was überlegen, was zu machen. Das müsste man aber sehr genau untersuchen. Wenn man ausbaggert, hat das große Konsequenzen. Sedimente können an anderer Stelle wieder mehr abgelagert werden. Da fängt man wieder dort anzubaggern, weil das Wasser fließt schneller, wenn wir tiefer baggern, und dann geht das Wasser sogar noch schneller verloren. Und wir haben auch noch andere Faktoren, die da mit reinspielen. Also wir sorgen dafür, dass die Grundwasserstände außenrum zum Beispiel niedriger werden. Und wir haben natürlich negativen Auswirkungen auf die auf die Natur, wenn wir baggern.
Appelmann:
Das Ganze ist nicht nur ein Problem für die Schifffahrt und für die Wirtschaft. Sie sagen es gerade, sondern auch für unser Grund- und für unser Trinkwasser, nämlich welche genau?
Reinecke:
Nun, es sind zwei Faktoren. Zum einen, dass der Grundwasserspiegel möglicherweise abgesenkt werden kann, einfach dadurch, dass wir grundsätzlich weniger Wasser im Fluss haben. Und wenn wir baggern, wird das Ganze noch schlimmer. Und zum anderen haben wir das Wasserqualitätsproblem, wenn wir weniger Wasser im Fluss haben, aber wir immer noch die gleiche Menge an Schadstoffen einleiten, die wir teilweise gar nicht mal wissen, was eingeleitet wird, wirkt sich das natürlich auf unsere Wasserqualität aus. Und die kann dann auch unsere Trinkwasserversorgung gefährden.
Appelmann:
… sagt Professor Robert Reinecke von der Universität in Mainz. Danke für den Besuch heute.
Reinecke:
Gerne.