Schaltgespräch mit Dirk Engelhardt vom Verband Güterkraftverkehr über Aufhebung von Lkw-Fahrverbot am Sonntag

Was also bringt die Aufhebung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots? Wie viele Güter können tatsächlich mehr über die Straße transportiert werden? Darüber spricht Markus Appelmann mit Dirk Engelhardt, dem Chef des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung mit Sitz in Frankfurt.

Markus Appelmann:
Guten Tag Herr Engelhardt!
Dirk Engelhardt, dem Chef des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung:
Guten Tag, Herr Appelmann.
Appelmann:
Direkt gefragt: die Lastwagen fahren jetzt also auch sonntags. Was halten Sie von der Entscheidung?
Engelhardt:
Grundsätzlich ist das eine richtige Entscheidung. Das hilft vielleicht partiell, einzelne Transporte wirklich durchführen zu können, was wichtig wäre für die Industrie., aber die alleinige Lösung des Problems des Niedrigwassers ist es auf keinen Fall.
Appelmann:
Was würde nun in dieser Situation helfen?
Engelhardt:
Na ja, die LKWs sind natürlich verplant. Wir haben in Deutschland einen massiven Fahrermangel. Das heißt, die Fahrzeuge sind von montags bis freitags fest für Kundenaufträge disponiert. Jetzt können die Fahrzeuge und die Fahrer natürlich nicht noch zusätzlich am Samstag und am Sonntag eingesetzt werden. Da geht es um Lenk- und Ruhezeitverordnung, Arbeitszeitverordnung. Nur die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots alleine ist da nicht die Lösung.
Appelmann:
Das heißt konkret: Die Politik müsste an die bürokratische Hürden ran, damit das Sonntagsfahrverbot auch etwas bringt?
Engelhardt:
Das ist eine zentrale Forderung von BGL, vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung. Ohne eine Lockerung der Lenk- und Ruhezeiten und eine Flexibilisierung für einen begrenzten Zeitraum -nicht auf Dauer, sondern nur für die Phase des Niedrigwassers – ist unumgänglich, wenn man hier wirklich Transporte temporär verlagern will.
Appelmann:
Dass die LKW sonntags fahren ist ja nur das eine. Es müssen zum Beispiel auch die Logistikzentren dann sonntags öffnen. Wurde daran bislang überhaupt gedacht?
Engelhardt:
Wir hatten gestern Abend oder ich persönlich eine Schalte mit dem Verkehrsministerium und wir hatten vorgeschlagen, ein Kriseninterventionszentrum einzurichten, im Idealfall beim Bundesamt für Logistik und Mobilität. Das ist ein Vorschlag, der in einer gemeinsamen Videoschalte an diesem Mittwoch sicherlich diskutiert werden wird, um genau diese Fragen zu klären und natürlich auch schnell und effizient handlungsfähig zu sein.
Appelmann:
Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots allein bringt wenig – sagt Dirk Engelhardt, der Chef des Logistik-Bundesverbandes. Danke Ihnen
Engelhardt:
Ich danke Ihnen.