Mordprozess nach tödlichem Raserunfall

Ein Mann fährt mit bis zu 145 Kilometer pro Stunde durch die Darmstädter Innenstadt. Doch dann verliert er die Kontrolle über seinen Wagen und kollidiert mit einem Auto auf der Gegenfahrbahn. Die drei Insassen kommen durch den Unfall ums Leben. Dem mutmaßlichen Unfallverursacher wird ab heute in Darmstadt der Prozess gemacht.

Der 31.November vergangenen Jahres. Die Mühlheimer Straße in Offenbach gleicht einem Trümmerfeld. Mit hoher Geschwindigkeit war der schwarze VW in den Gegenverkehr geraten und mit immer noch über 100 Stundenkilometern mit diesem Audi zusammengestoßen. Dessen Insassen, zwei Frauen im Alter von 66 und 88 Jahren sowie ein neunjähriges Mädchen, erliegen ihren schweren Verletzungen. Damals am Steuer des VW: Edin D. Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt wirft dem 32-jährigen Serben unter anderem Mord vor.
Philip Ries, Staatsanwalt
„Weil wir wegen der immensen Geschwindigkeitsüberschreitung um das 2,9fache im innerörtlichen Bereich – also bei erlaubten 50 km/h reden wir hier von 145 km/h in der Spitze – von bedingtem Tötungsvorsatz mit Wahrscheinlichkeit ausgehen. Und die Mordmerkmale haben wir hier mit dem gemeingefährlichen Mittel und der Heimtücke.“
Bei illegalen Straßenrennen können Richter einen Fahrer wegen Mordes verurteilen, wenn er sich nicht nur darüber bewusst ist, dass sein Verhalten andere Menschen schädigen kann, sondern das sogar billigend in Kauf nimmt. Im Fall von Edin D. will die Staatsanwaltschaft genau das beweisen. Der Offenbacher, so der Staatsanwalt, habe die Straße „zu seiner privaten Rennstrecke gemacht.“
Carsten Praeg, Reporter
„Ein Raunen geht durch die Zuschauerreihen, als das Video einer Überwachungskamera den Moment des Unfalls zeigt. Der mutmaßliche Verursacher kracht so hefting in den anderen Wagen, dass der sich im die eigene Achse dreht. Beide Fahrzeuge werden so starkt eingedrückt, dass man sich wundert, dass der Angeklagte mit vergleichsweise leichten Verletzungen davonkommt. Er blickt heute strikt geradeaus, vermeidet jeden Blickkontakt mit den Hinterbliebenen.“
Edin D. schweigt heute vor Gericht. Der Offenbacher will sich auch im weiteren Verlauf des Prozesses nicht zu den Vorwürfen äußern. Für den Prozess sind zunächst drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte dann Anfang September fallen.