Was sich im ausgetrockneten Rheinbett alles findet

Niedrigwasser – was für die Schifffahrt und die Tierwelt eine große Belastung ist, ist für andere ein Glücksfall. Denn an den ausgetrockneten Ufern kommen uralte Schätze zum ersten Mal seit Jahrhunderten wieder ans Licht.

Christian Ganser wartet auf den richtigen Ton. Wenn der Metalldetektor anschlägt, kommt die Hacke ins Spiel und schließlich zieht er ein Stück Metall aus dem Schlamm, das fast 2000 Jahre lang hier geschlummert hat.
Christian Ganser, Sondengänger
„Das hier ist jetzt ein typischer gewickelter Netzsenker aus Blei. Das heißt, ein Bleiblech, das gewickelt wurde und dann am Rand eines Fischernetzes befestigt wurde, um das zu beschweren. Und diese Netzsenker, die sind typisch römisch. Also wir haben hier einen Fund, der wahrscheinlich 1.800 bis 2.000 Jahre alt ist.“
Meterweit hat sich der Rhein inzwischen zurückgezogen. Wo er genau sucht, will der erfahrene Sondengänger nicht verraten. Er fürchtet um sein ergiebiges Revier.
Christian Ganser, Sondengänger
„Der Rhein gilt ja als Lebensader, das ist ja so eine Weisheit, und die Menschen haben hier übergesetzt, die haben hier gehandelt, die haben hier gearbeitet, die haben hier auch gekämpft und genau diese Relikte findet man. Also hier war zum Beispiel auch ein Gefechtsfeld im Dreißigjährigen Krieg, hier haben die Römer übergesetzt, das ist auch bekannt, und die haben allerhand verloren.“
Und genau diese Relikte findet Christian Ganser hier immer wieder. Pfeilspitzen aus der Bronzezeit, Münzen, die römische Soldaten hier verloren haben. Und – ein Highlight in seiner Sammlung – eine Gewandschnalle, eine sogenannte Fibel, aus dem dritten Jahrhundert, gefertigt aus purem Silber. Darauf ist der Name des Besitzers geprägt: Sapricius.
Christian Ganser, Sondengänger
„Man fragt sich natürlich: Wie wurde die verloren? Die war auch mitten im Rheinbett, also auch in einer Phase, in der es sehr trocken war. Ist der Mantel mit der Fibel ins Wasser gefallen? Ist Sapricius selbst ins Wasser gefallen? Das wird man nicht klären können, aber die Fantasie geht da schon mit einem durch.“
Diese Schätze sucht Ganser allerdings nicht für sich selbst. Das private Suchen ist verboten, aber der Bendorfer ist vom Landesamt für Archäologie zertifiziert. Das heißt, seine Funde muss er akribisch dokumentieren und zur Bewertung aufs Amt bringen, wo sie dann zum Beispiel auf dem Schreibtisch von Lennart Niehues landen.
Lennart Niehues, Landesamt für Archäologie
„Wir arbeiten halt mit relativ vielen Personen zusammen, die in verschiedenen Gebieten suchen, die nicht nur an Flüssen oder in jetzt mittlerweile trocken gefallenen Flussgebieten suchen, sondern auch auf Feldern, teilweise auch in Wäldern suchen, was mitunter in anderen Bundesländern oder auch in anderen Gebieten nicht erlaubt ist, uns aber einen ganz enormen Vorteil bringt, dadurch, dass wir viele archäologische Fundstellen kennenlernen, die sonst teilweise in Wäldern eben verborgen wären.“
Wer selbst ein offizieller Sondengänger werden möchte, braucht Geduld. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Lizenzen, die das Landesamt jedes Jahr vergibt. Doch wenn man so fasziniert von der Archäologie ist wie Christian Ganser, lohnt sich das Warten.
Christian Ganser, Sondengänger
„Ich habe vielleicht die richtigen Bücher gelesen: Schatzinsel, Troja, Julius Caesar, das fand ich alles toll. Und mein Vater musste schon mit mir nach Trier fahren, damit ich die Kaiserthermen besichtigen konnte. Und das hat sich so erhalten. Ich liebe es einfach, diese kleinen Zeitreisen in die Vergangenheit zu unternehmen.“
Eine Liebe, die so schnell nicht vergehen wird, denn hier gibt es sicherlich noch einige Schätze zu bergen.