Im Strongman-Trainingscamp in Fulda

Er ist mehrfacher Deutscher Meister, Weltmeister und hält mehrere Weltrekorde. Der 29-jährige Volker Bauer aus Fulda ist einer der stärksten Männer der Welt. Beim Strong-Man-Sport geht es aber nicht allein darum, wer die schwersten Gewichte stemmen kann, sondern auch um Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und vor allem die richtige Technik. Unsere Kollegin Nina Seeh hat ihm über die starke Schulter geschaut – und kam dabei selbst nicht ohne Muskelkater davon.

Nina Seeh, Reporterin: „Hinter mir zieht Volker Bauer einfach mal so einen 20 Tonnen schweren LKW. Ich würde das heute auch gern mal probieren und deswegen geh ich heute bei ihm ins Training.“
Seit 16 Jahren betreibt Volker schon Kraftsport, seit 7 Jahren lebt er den Strongman-Sport. Dafür hat er in Fulda sogar einen eigenen Verein mitgegründet, ist selbst Ausrichter von Turnieren und trainiert hier momentan drei bis vier Mal die Woche.
Nina Seeh: „Was brauche ich, um hier die Übungen gut zu bestehen?“ – Volker Bauer: „An aller erster Stelle, auch trifft aufs Leben zu: Willenskraft. Das braucht man an aller erster Stelle hier und dann kommen eigentlich schon alle Komponenten der Kraft. Von Explosivkraft bis Kraftausdauer bis Maximalkraft, also wirklich alle Komponenten der Kraft sind hier gefordert.“
Strongman – das sind circa 50 verschiedene Disziplinen. Bei Wettbewerben treten die Teilnehmer in fünf bis sechs gegeneinander an. Nach jeder Disziplin erhalten die Athleten Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Eine Disziplin – der Sandbag-Toss, also Sandsack-Hochwurf. Hier geht es darum, unterschiedlich schwere Sandsäcke über eine Stange in vier Metern Höhe zu werfen. Im Wettkampf zählt vor allem die Schnelligkeit.
Allein vom Zuschauen bekomme ich schon Muskelkater.
Da ist im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft nach oben. Weiter geht’s mit dem yoke carry. Das 100 Kilo schwere Gestell muss hier erst hochgehoben und dann möglichst schnell über eine Strecke getragen werden.
Kurze Verschnaufpause – zumindest für mich.
Nina Seeh: „Was macht denn den Sport für dich so besonders?“Volker Bauer: „Dieser Sport ist wirklich für jeden was, also hier ist jeder willkommen und hier kann sich auch jeder wirklich einen sehr gesunden, guten Körper aufbauen, auch wenn es vielleicht auf den ersten Eindruck sehr brachial wirkt. Aber tatsächlich stecken hinter diesen ganzen Übungen auch wirklich immer Ganzkörperübungen, die sehr funktional sind. Dementsprechend hat man einen sehr sehr guten Übertrag in den Alltag.“
Im Juni gewinnt Volker in Südafrika den Weltmeistertitel im Mittelgewicht. Und schreibt damit Geschichte. Er ist der erste Weltmeister im Ultimate-Strongman-Verband, der in zwei unterschiedlichen Gewichtsklassen die Goldmedaille holt. Sein Erfolgsgeheimnis:
Volker Bauer, Strongman Weltmeister: „Ich liebe es. Das ist glaube ich das größte Geheimnis. Ich liebe das was ich mache, es macht mir sehr viel Spaß. Ich bin bereit sehr viel Arbeit zu investieren, sehr viel in den Prozess des Besserwerdens zu investieren, ohne dass ich mich aufopfere ohne, dass es mir schwerfällt.“
Am Wochenende startet er bei den Deutschen Meisterschaften in der Offenen Klasse. Sein Ziel: Der stärkste Mann Deutschlands werden!
Dann wird’s ernst.
Volker Bauer: „Das Wichtigste ist hier. Sehr sehr weit nach vorne lehnen, damit du einen steilen Winkel hast, die Hüfte nach vorne schieben, kurze kleine Schritte.“ – Nina Seeh: „Da bewegt sich gar nichts.“
Meine Erlösung, eine kurze Starthilfe.
Kraft, Motivation und Technik – das sind die wichtigsten Komponenten für den Strongman-Sport. Dank Volkers Anleitung kann ich heute selbst ein paar kleine Erfolge feiern. Den 20-Tonnen-LKW überlasse ich dann aber doch lieber dem Profi.