Wiegen und Messen – Willkommen im Pfunds-Museum

In unserer Serie „Jenseits der Klassiker – ungewöhnliche Museen“ nehmen wir Sie mit nach Kleinsassen mit in die Rhön. Dort gibt es das „Pfunds-Museum“. Eine riesige Sammlung von Gewichten, Waagen und mehr. Ein Ausflug lohnt sich nicht nur für Physik- und Mathematik-Fans.

Faszination Wiegen und Messen. Was heute das Kilo ist, war früher das Pfund, der Liter war der Scheffel und der Meter die Elle. Bis zur Einführung des metrischen Systems – im Deutschen Reich war das 1872 – gab es keine einheitlichen Messgrößen. Die Elle zum Beispiel: jedes Fürstentum hatte seine eigene. So war die eine kürzer, die andere länger.
Daniel Schwarzenbarth, Pfunds-Museum
„Das hat natürlich gerade beim Handel das ein bisschen schwierig gemacht, wenn die Händler unterwegs waren, die sind von einem Fürstentum zum anderen Fürstentum gefahren, dann sind sie an die Grenze gekommen, mussten also Zollgebühren bezahlen und da hat natürlich das eine Fürstentum gesagt, was hast du denn da lass mich mal messen, aha, lass mich mal mit meinen Sachen messen und dann haben die hin und her gemessen, das war sehr zeitaufwändig.“
Die historische Sammlung umfasst rund 40.000 Objekte aus aller Herren Länder. Die ältesten sind 5.000 Jahre alt. Gesammelt hat sie alle Museumsgründer Reinhardt Kremer, der mittlerweile verstorben ist. Seine Mission: Geschichte greifbar machen.
Daniel Schwarzenbarth, Pfunds-Museum
„Ganz grundsätzlich ist natürlich der Handel als solches ein zentrales Element, was die Menschen schon immer bewegt hat. Jemand hatte etwas, jemand anderes wollte es haben, wie geht man in den Tausch hinein.“
Und wer handeln wollte, der musste messen und wiegen. Wer gesund werden wollte übrigens auch. Dafür gab es diese Feinwaagen für Apotheker aus dem 19. bis 20. Jahrhundert. Von ihnen leitet sich eine bekannte Redewendung ab.
Daniel Schwarzenbarth, Pfunds-Museum
„Der Skrupel ist das kleinste Gewicht bei den Apothekerwaagen. Und solche kleinen Gewichte gehen eben halt relativ schnell verloren oder konnten verloren gehen und wenn ein Apotheker ohne seinen Skrupel gearbeitet hat, dann konnte er sozusagen nicht exakt messen und daraus hat sich dann sag ich mal der Spruch gebildet, dass ein Apotheker skrupellos ist.“
Schon gewusst? Für die Gewichtseinheit Karat, die man vom Juwelier kennt, ist der Samen des Johannisbrotbaums maßgebend. Vom chinesischen Pfund über eine Eiersortieranlage bis hin zur Babywaage – all das gibt’s zu sehen im Pfunds-Museum in Kleinsassen.