Oftmals keine Klimageräte in Pflegeheimen
Die aktuelle Hitzewelle hat einmal mehr deutlich gemacht, wie schlecht Deutschland dasteht, wenn es heiß wird. Eine schnelle Lösung: Klimaanlagen – in Ländern wie Italien oder Spanien laufen die jetzt auf Hochtouren. Doch hierzulande sind Wohnungen nur selten klimatisiert. Und auch in Schulen, Krankenhäusern oder Pflegeheimen – weit und breit gibt es sie kaum. Jetzt wenden sich die Grünen von ihrem Klimakurs ab und fordern ein Sofortprogramm für Klimaanlagen unter anderem in Pflegeheimen.
Eine Klimaanlage gibt es hier im Seniorenzentrum Langenlonsheim nicht. Dafür kühle Getränke, Obst, nasse Tücher. Die Mitarbeiter versuchen alles, um den Bewohnern etwas Abkühlung zu verschaffen.
Talida Florentina Dinculescu, Leiterin Seniorenzentrum Langenlonsheim
„Auf lange Sicht ist das auch keine Lösung. Sondern wir müssen gucken, dass wir was ändern, richtige Klimaanlagen oder Lüftung, weil es ist sehr anstrengend.“
Klimaanlagen für Pflegeheime – fordern nun auch die Grünen. Der Ruf nach Klimaanpassungsmaßnahmen ist neu für die Partei, die sich sonst vor allem dem Klimaschutz verschrieben hatte.
Mathias Wagner (Bündnis ’90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen
„Die Landesregierung macht leider zum Thema Hitzeschutz einfach gar nichts. Es wäre jetzt notwendig, dass man konkrete Maßnahmen ergreift. Es gibt eine wunderbare Kombination aus Photovoltaik und Klimaanlagen. Das könnte man in diesen Einrichtungen umsetzen, dass gerade kranke und alte Menschen nicht bei 30 Grad in ihren Zimmern sitzen.“
Die hessische Gesundheitsministerin sagt zur Forderung der Grünen:
Diana Stolz (CDU), Gesundheitsministerin Hessen
„Natürlich müssen wir schauen, dass Menschen auch in Pflegeeinrichtungen gut versorgt sind. Dazu gehört auch klimatisch gut versorgt zu sein. Zum Beispiel haben wir im Rahmen des Sondervermögens Mittel an die Kommunen gegeben, die diese auch für Pflegeeinrichtungen nutzen können.“Mathias Wagner (Bündnis ’90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen
„Besonders beliebt ist die Ausrede: „Das müssen die Kommunen doch selbst machen.“ Die Kommunen ächzen unter einer dramatischen Unterfinanzierung, für die auch die Landesregierung verantwortlich ist. So kann das nicht laufen.“
Fakt ist: Klimageräte kosten Geld. Entsprechende Förderungen auf Landes- oder Bundesebene gibt es aktuell nicht. Und wie die Temperaturen steigen zuletzt auch die Kosten für Pflegeheimplätze auf Rekordwerte.
Das Robert Koch Institut meldet im Juli, dass die Extremhitze in diesem Jahr bundesweit bereits fast 10.000 Menschenleben gefordert hat. Der Großteil davon – fast 8000 – waren mindestens 75 Jahre alt. Rheinland-Pfalz und Hessen zählen zu den am stärken betroffenen Bundesländern.
Talida Florentina Dinculescu, Leiterin Seniorenzentrum Langenlonsheim
„Senioren, die sind halt empfindlicher. Die Gefäße sind anders, die ganze Anatomie ist halt komplett anders wie bei einem jungen Menschen. Die fangen an – im schlimmsten Fall – zu halluzinieren oder die Sprache wird nicht mehr verständlich sein. Die können auch das Bewusstsein verlieren.Diana Stolz (CDU), Gesundheitsministerin Hessen
„In den Einrichtungen sind Gott sei dank Fachkräfte da, die schauen dass genug getrunken wird und vieles mehr. Das haben wir bei den Menschen die Zuhause alleine sind nicht. Deshalb mein ganz großer Appell auch hin zu schauen, auch in der eigenen Nachbarschaft.“


