Minister informiert sich über Kriminalität im Darknet

Immer mehr Menschen werden Opfer von Cyberkriminalität. Jeder neunte Deutsche ist im vergangenen Jahr Kriminellen im Netz auf den Leim gegangen. Am häufigsten schlagen Täter beim Online-Einkauf zu. Doch es geht nicht nur darum, das Kriminelle an Geld kommen. Es geht auch um Straftaten gegen Leib und Leben. Der hessische Justizminister Christian Heinz hat heute in Frankfurt Cyber-Kriminellen den Kampf angesagt.

Ein Frankfurter Café im vergangenen Jahr. Plötzlich wirft ein Mann einen selbstgebauten Sprengsatz in den Gastraum. Der explodiert nur Sekunden danach. Zu Schaden kommt glücklicherweise niemand. Der Täter: Ein 15-jähriger Niederländer, der über das Internet von einem Unbekannten für den Anschlag bezahlt wurde. „Violence as a Service“ ist ein neues Modell, bei dem kriminelle Handlungen als Dienstleistungen angeboten werden. Sozial schwache Menschen – meistens Jugendliche – werden dann von anonymen Mittelsmännern mit Geld gelockt, um die Straftaten zu begehen.
Christina Kreis, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt
„Das ist, wenn man es vergleichen will, wie ein großer Fischteich wo man einen Wurm hinein gibt und dann schaut wer beißt denn an. Dieser Auftrag kann alles Mögliche sein; von der kleinen Sachbeschädigung, bis hin zum Brandanschlag, der Enkeltrick funktioniert teilweise auch damit und ähnliche Dinge eben auch.“
Dank internationaler Zusammenarbeit kann die Staatsanwaltschaft Frankfurt immer häufiger Täter schnappen. Die Mittelsmänner zu ermitteln ist hingegen schwieriger. Bei der Rechtsstaats-Tour des hessischen Justizministers geht es heute auch um digitale Gewalt gegen Frauen. Die hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.
Christian Heinz (CDU), Justizminister Hessen
„Es ist sehr, sehr gefährlich, wenn Männer sich im Internet treffen und verabreden und sich gegenseitig beschreiben, wie man schwerste Straftaten gegen Frauen begehen kann, beispielsweise Vergewaltigung, schwere Körperverletzung und andere schwere Delikte. Denn die Gefahr ist riesengroß – und das zeigt auch die Praxis -,dass, wenn viele sich darüber austauschen was möglich ist, der ein oder andere sich auch ermöglicht fühlt zur Tat zu schreiten und diese schwersten Straftaten im realen Leben zu begehen.“
Laut Bundeskriminalamt ist jede fünfte Frau in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren Opfer digitaler Gewalt geworden. Die Dunkelziffer sei allerdings hoch. Denn die Anzeigequote liege bei unter 10 Prozent. Oft weil Opfer fürchten, dass für die Täter ohnehin keine Konsequenzen drohen. Christian Heinz appelliert, jede Straftat anzuzeigen und sieht die hessische Justiz im Kampf gegen neue Internetkriminalitätsphänomene gut aufgestellt.