Im Gespräch: Pascal Reddig (CDU), stellv. Vorsitzender der Rentenkommission

Markus Appelmann spricht mit dem Hanauer Bundestagsabgeordneten über die neu entflammte Debatte um die Rente mit 63.

Markus Appelmann, Moderator:
Guten Abend Herr Reddig.
Pascal Reddig (CDU), Bundestagsabgeordneter:
Guten Abend, Herr Appelmann.
Appelmann:
Die Debatte um die Rente mit 63 nimmt weiter an Fahrt auf. Immer mehr hochrangige CDU-Vertreter pochen auf den Erhalt. Was sagen Sie dazu?
Reddig:
Wir haben im Juni die Ergebnisse der Rentenkommission vorgestellt, mit 33 Empfehlungen, die insgesamt dazu beitragen sollen, dass die Rente für die Menschen in Deutschland besser wird. Und Friedrich Merz und Bärbel Bas hatten damals recht. Sie haben nämlich gesagt, dass es keine Rosinenpickerei geben soll. Und ich würde deshalb auch jetzt jedem, der Rosinenpickerei betreibt, der jetzt versucht, einen Baustein aus der Reform rauszuziehen, sagen: Wir brauchen jetzt den Mut, die Reform auch umzusetzen, sonst steht die Reform insgesamt vor einem Ende, und davon kann ich wirklich nur abraten.
Appelmann:
Sie sagen also, das Rentenpaket steht vor dem Aus, wenn es aufgeschnürt wird?
Reddig:
Wir haben ja einen sehr umfassenden Reformvorschlag auf den Tisch gelegt, bei dem es darum gehen soll, dass wir umsteigen von einer reinen Umlage in der gesetzlichen Rente auf eine Mischung zwischen Umlage und Kapitaldeckung. So haben es zum Beispiel die skandinavischen Länder gemacht. Wir schlagen das nach einem schwedischen Vorbild vor. Das hat in Schweden dazu geführt, dass seit den 2000er Jahren die Renten für die Menschen deutlich gestiegen sind. Und das wollen wir auch in Deutschland erreichen. Aber das geht natürlich nur, wenn wir auch an anderen Stellen Kapazitäten schaffen. Also wenn wir Kostendämpfung hinbekommen. Und das gilt zum Beispiel auch für die Rente mit 63, die extrem teuer ist, jedes Jahr über 10 Milliarden € die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler kostet. Und deswegen ist es ein Gesamtpaket, das aufgrund der Wechselwirkung auch nur in seiner Gesamtheit funktioniert. Und alle, die jetzt sagen: “Wir versuchen einen Baustein rauszuziehen”, die müssen auch beantworten: Wollen Sie überhaupt eine Rentenreform, ja oder nein?
Appelmann:
Die Rente mit 63 kostet über 10 Milliarden, Sie haben es ja gesagt. Ganz klar gefragt: Haben wir das Geld nicht?
Reddig:
Wir sehen ja, dass die Ausgaben gerade für den Bereich Arbeit und Soziales immer stärker steigen, in den letzten Jahren auch immer stärker gestiegen sind. Und ich finde, für Rente ist es jedenfalls gut investiertes Geld, weil es den Menschen zugutekommt, die viele Jahre hohe Beiträge bezahlt haben. Wir müssen aber auch einen Interessensausgleich zwischen den Generationen schaffen, also die Interessen zwischen Jung und Alt miteinander verbinden und vor allem auch auf die Last der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler achten. Die tragen heute schon sehr, sehr hohe Lasten. Die Sozialversicherungsbeiträge sind immer weiter gestiegen, liegen heute schon deutlich über 40 % und deswegen müssen wir für mehr Zielgenauigkeit sorgen. Das ist auch genau unser Punkt in der Rentenkommission gewesen. Die Rente mit 63 ist leider nicht zielgenau. Sie erreicht nicht die Menschen, die wir eigentlich mal erreichen wollten. Und dann muss man auch umsteuern. Und deshalb schlagen wir eine Schutzrente vor, die vor allem auch die Menschen erreichen soll, die wirklich hart körperlich gearbeitet haben. Die sollen auch in Zukunft abschlagsfrei in Rente gehen können. Und für alle anderen schaffen wir dann die Möglichkeit, dass sie mit Abschlägen in Rente gehen können.
Appelmann:
Die SPD sagt nun: Liebe CDU klärt erst mal intern, ob ihr nun für oder gegen die Rente mit 63 seid. Wann steht also die Reform? Wann wird Sie im Deutschen Bundestag behandelt?
Reddig:
Wir haben einen klaren Beschluss des Koalitionsausschusses. Union und SPD haben verabredet, dass die Ergebnisse der Rentenkommission bis Ende des Jahres umgesetzt werden sollen im Parlament. Und ich gehe auch davon aus, dass sich alle daran halten werden.
Appelmann:
Er warnt vor einem Scheitern des gesamten Rentenpakets, wenn nun einzelne Bausteine rausgezogen werden. Danke, Pascal Reddig
Reddig:
Vielen Dank und einen schönen Abend.