Geplante Hängeseilbrücke stößt auf Widerstand

Ein Investor plant in Boppard eine Hängeseilbrücke zu bauen, um den Tourismus um eine Attraktion reicher zu machen. Doch gegen den Eingriff in die Natur gibt es auch Widerspruch. Wir haben mit den Menschen vor Ort gesprochen.

Gut 300 Meter lang soll sie werden und sich mit Stahlseilen hier übers Ewigbachtal bei Boppard erstrecken. Die geplante Hängebrücke – von der laut dem Projektleiter das gesamte Mittelrheintal profitieren soll.
Roland Haag Projektleiter Hängeseilbrücke
„Ja, bringen soll’s einfach Touristen in die Region und eine Attraktion für Menschen, die sonst nur im Hochgebirge so eine Hängebrücke erleben können. Der Vorteil ist einfach, dass die Menschen diese Region wieder schätzen, den Rhein diese Region und dass hier Wertschöpfung da ist.“
Wertschöpfung schafft die Firma Eberhardt aus Baden-Württemberg, die hinter dem Projekt steckt, normalerweise im Stahlbau. Touristische Hängebrücken sind ein weiterer Geschäftszweig, so wie hier im Schwarzwald. Boppard wäre bereits die vierte Brücke des Unternehmens.
Doch kein Großprojekt ohne Gegenwind. Christoph Winkler, direkter Anwohner und Restauranteigentümer hat Bedenken. Von der Hängebrücke würde aus seiner Sicht für Boppard selbst nicht viel hängen bleiben.
Christoph Winkler, Anwohner und Restauranteigentümer
„Die Folgekosten, die aber dann kommen für die Stadt eben Parkraum zu schaffen. Verkehrsplanung und und und. Was passiert hier oben? Müllbeseitigung, Toilettenanlagen, ist alles nicht geregelt, Wasser ist nicht hier. Dieser Massentourismus, der dann zumindest mal in der Saison entsteht, der wird Boppard grundlegend verändern.“
Winkler rechnet mit dreimal so vielen Besuchern als die Brückenplaner selbst. Diese hoffen auf 100.000 Touristen jährlich, die etwa 10 Euro Eintritt zahlen sollen. Die Geierlaybrücke im Hunsrück dagegen verzeichnet weit mehr Besucher bei kostenlosem Eintritt.
Roland Haag Projektleiter Hängeseilbrücke
„Die Geierlay wurde von EU-Mitteln finanziert, wir sind Privatunternehmen, wir finanzieren das komplett aus unserem Geldbeutel.“
Rund sechs Millionen Euro will die Eberhardt-Gruppe in Boppard investieren. Auch die Stadt hofft auf mehr Gäste.
Hans Seibold, Tourist
„Wenn es von der Bevölkerung angenommen wird, finde ich es gut.“
Karina Moreno
„Ich denke, dass es die Leute halt noch mal hier hin lockt und dann können die auch noch mal was unternehmen. Also warum nicht. Ich sehe nicht, warum das ein Problem sein sollte.“
Seljadin Iseni
„Mehr Touristen kommen dann. Boppard ist schön, aber ohne Touristen ist gar nix.“
Christoph Winkler, Anwohner und Restauranteigentümer
„Wenn der Einzelhandel meint, er könnte mit diesem Kurzzeittourismus irgendwie Geld verdienen, seine Umsätze erhöhen. Ich glaube da ist er schief gewickelt. Denn die Leute, die gehen hier einmal über die Brücke und dann fahren die wieder.“
Roland Haag Projektleiter Hängeseilbrücke
„Auch in den anderen Städten hab ich das Feedback von den Anwohnern, von den Einzelhändlern, von der Gastronomie, dass sehr wohl was ankommt. Das ist eigentlich auch das Ziel, dass wir hier nicht nur was für uns machen, sondern für die Region“
Noch hat der Stadtrat nicht entschieden, ob tatsächlich gebaut wird. Geplant ist eine Bürgerversammlung. Vor der Brücke übers Tal steht also zunächst das Brückenbauen zwischen den Menschen an.