Was bringt ein Alkoholverbot an Bahnhöfen?
Die Deutsche Bahn plant ein Alkoholverbot an allen 5.400 Bahnhöfen in Deutschland. Ab Mitte Oktober soll es bundesweit untersagt sein, auf Bahnsteigen oder in Bahnhofs-Hallen Alkohol zu trinken. In der Bahnhofsgastronomie und in den Zügen soll das Trinken dagegen weiterhin erlaubt bleiben. Viele Bahnreisende und auch die Polizei begrüßen den Vorstoß – doch es gibt auch Kritik.
Auf den ersten Blick scheint Alkohol im Mainzer Hauptbahnhof keine große Rolle zu spielen. Doch der Eindruck täuscht: Immer wieder haben Bahn-Sicherheitsdienst und Bundespolizei auch hier Ärger mit angetrunkenen Personen. Und das nicht nur bei Heimspielen von Mainz05, sondern Tag für Tag – wie an vielen anderen Bahnhöfen gibt es auch hier eine offene Trinker-Szene. Bei den Bahnkunden kommt das geplante Alkoholverbot deshalb gut an.
Friederike Braun
„Ich halte viel davon. Ich finde das gut! Ich denke, an Bahnhöfen – Familien kommen da an. Kinder, Jugendliche halten sich da auf. Da gehört kein Alkohol hin. Da gehören keine angetrunkenen Menschen hin. Da gehört kein Glas auf dem Boden hin.“Roswitha
„Es passiert auf den Bahnhöfen so viel, wenn da Alkohol im Spiel ist. Es ist nicht nur am Bahnhof. Es ist überall, wenn der Alkohol im Spiel ist. Alkohol sollte nur zu Hause konsumiert werden, und draußen überhaupt nicht.“
Laut Bahn soll das Alkoholverbot die Sicherheit von Mitarbeitern und Reisenden erhöhen. Auch der Fahrgastverband „Pro Bahn“ findet das Vorhaben grundsätzlich begrüßenswert – hält ein Alkoholverbot in allen 5400 Bahnhöfen der Nation, so wie etwa hier in Langen, aber für nicht durchsetzbar.
Bernd Rohrmann, PRO BAHN Hessen
„Es macht keinen Sinn, Verbote auszusprechen, die ich nicht sanktionieren kann. Und in der Fläche ist die Bundespolizei ja gar nicht vorhanden. Das heißt, an den großen Knotenbahnhöfen kann die Bundespolizei das durchsetzen, wenn sie will. Und schafft es dann auch. Aber in der Fläche nicht.“
Schon seit längerem gilt an rund 30 Bahnhöfen in Deutschland ein Alkoholverbot – vor allem an den größeren Knotenpunkten wie Frankfurt. Für die Gewerkschaft der Polizei bestenfalls ein guter Anfang: Sie würde den Alkoholkonsum am liebsten auch in den Zügen verbieten.
Jens Mohrherr, Vorsitzender GdP Hessen
„Grundsätzlich sind Menschen, die Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert haben, komplett anders in ihrem Verhalten. Sie sind oft nicht ansprechbar. Sie befolgen keine Hinweise. Sie befolgen keine Aufforderungen. Und so können Situationen dann ganz einfach eskalieren.“
Bei der Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz ist man dagegen besorgt: Das geplante Alkoholverbot an Bahnhöfen drohe besonders auf Kosten ohnehin schon benachteiligter Personengruppen zu gehen: Alkoholkranke, Wohnungslose und andere, die bislang oft in Bahnhöfen Schutz suchten.
Leonard Reiche, Landesstelle für Suchtfragen Rheinland-Pfalz
„Jetzt stehen wir hier im Sommer. Natürlich im Winter bei minus 5 Grad einfach die Witterungsbedingungen. Dass sich jemand einfach aufwärmen kann hier drin. Der Schutz, also dass einfach auch Polizei und Ordnungsamt da sind, die bei Gewalt und übergriffen helfen können – all das sind Faktoren, die für diese benachteiligten Menschen wichtig sind.“


