Schaltgespräch zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Niedrigwassers

Eva Dieterle spricht darüber mit dem Geschäftsführer der IHK Koblenz, Fabian Göttlich.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Guten Tag.
Fabian Göttlich, Geschäftsführer der IHK Koblenz:
Guten Tag, Frau Dieterle.
Dieterle:
Herr Göttlich, das Niedrigwasser auf dem Rhein ist kein neues Phänomen mehr, sondern aus Sicht der Wirtschaft bittere Routine im Sommer. Wie dramatisch stellt sich die Situation aktuell dar?
Göttlich:
Also aktuell ist die Lage schon sehr angespannt. Zum einen haben wir es noch relativ früh im Jahr und im Sommer. Es ist ja erst Ende August. Das letzte historische Tiefwasser fand ja erst im Oktober statt und aktuell fehlt so ungefähr 80 % der Ladekapazität auf dem Rhein. Das ist schon eine Menge.
Dieterle:
Welche Schlüssel-Industrien in unserer Region trifft das im Moment am härtesten, und drohen den Verbrauchern dadurch bereits Engpässe oder Preiserhöhungen?
Göttlich:
Ob es die Verbraucher trifft, das lässt sich jetzt noch nicht absehen. Auch weil auf dem Rhein wenig Endprodukte verschifft werden, sondern viel Rohstoffe, Grundstoffe, Baustoffe. Für die ist das Schiff häufig die einzige sinnvolle, kostengünstige Transportmöglichkeit. Das schmerzt natürlich sehr, dass diese Option jetzt so eingeschränkt ist. Gleiches gilt natürlich für den Containerverkehr. Ein durchschnittliches Schiff mit 500 Containern kann jetzt bei dem niedrigen Wasserstand vielleicht noch 100 Container transportieren. Das wird die Lieferketten schon sicherlich treffen und etwas durcheinander bringen.
Dieterle:
Die Wirtschaft fordert seit Jahren eine schnelle Vertiefung des Mittelrheins, doch passiert ist bislang nichts. Wie sehr ärgert Sie das?
Göttlich:
Sicherlich ist das ärgerlich. Passiert ist schon was. Die Planfeststellungsverfahren schreiten voran. Es ist natürlich auch ein wirkliches Megaprojekt. Wir reden hier über fast 50 Rheinkilometer, die um 20 Zentimeter vertieft werden sollen. Etwa 200 Millionen Projekt. Aktuell rechnet man mit einer Fertigstellung Mitte der dreißiger Jahre. Wir hoffen, dass es zügig vorangeht. Wir brauchen die Mittelrheinvertiefung. 20 Zentimeter bedeuten so viel, wie das aktuelle Niedrigwasser zeigt.
Dieterle:
Niedrigwasser – für die Wirtschaft das große Problem im Sommer, Herr Göttlich, vielen Dank für das Interview.
Göttlich:
Sehr gerne, Frau Dieterle.