Drucken wie vor 500 Jahren

Vor zwei Jahren hat das Mainzer Gutenberg-Museum für rund zwei Millionen Euro die „Biblia Pauperum“ erworben – auch „Armenbibel“ genannt. Sie ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühen Buch- und Bildkultur. Und heute kommt der nächste spektakuläre Neuzugang ins Haus: ein original hergestellter Druckstock, der zeigt, wie die Armenbibel vor rund 500 Jahren gedruckt wurde.

Es ist ein Kunstwerk, eine Druckvorlage, so wie sie ab Ende des 14. Jahrhunderts genutzt worden ist. Angefertigt aus einem Stück Kirschholz. Das ist besonders hart und lässt sich gut bearbeiten. Der Druckstock zeigt eine Seite aus der Biblia Pauperum. Bearbeitet hat das Holz der dänische Druckkünstler Jorge Larguito.
Jorge Larguito, Druckkünstler
„Insgesamt habe in 100 Stunden daran gearbeitet. 82 Stunden für das Ausschneiden und 16 Stunden für die Vorbereitung. Zuerst habe ich eine Zeichnung angefertigt und die dann auf das Holz übertragen. Es war sehr schwierig, denn es gibt viele Details. Kleine Gesichter, winzige Augen und Text. Es war schon eine Herausforderung.“
Der Druckstock ist für eine einzige Buchseite. Blockdruck nennt sich das aufwändige Verfahren. Die Biblia Pauperum ist so um 1460 gedruckt worden. Sie wird auch Armenbibel genannt, weil sie viele Bilder hat und damals kaum jemand lesen konnte. Das Gutenberg-Museum hat den Blockdruckstock extra in Auftrag gegeben.
Dr. Ulf Sölter, Direktor Gutenberg-Museum Mainz
„Uns ist es im Gutenberg-Museum immer auch ein Anliegen, verständlich zu machen, wie diese Werke zu kontextualisieren sind: Wie sind die entstanden, wie sind die auch technisch entstanden?“
Ganz anders entstanden als die Gutenbergbibel, die in der Schatzkammer des Museums liegt. Denn der Mainzer hat den Druck mit beweglichen Lettern, die immer wieder anders genutzt werden können, erfunden. In der Schatzkammer liegt seit zwei Jahren auch die 2 Millionen Euro teure Armenbibel.
Dr. Ulf Sölter, Direktor Gutenberg-Museum Mainz
Das Blockbuch ist eine besondere Untergattung, wenn man so will, des Buchdrucks. Und da haben wir drei verschiedene Linien beobachten können, und eine davon ist die Biblia Pauperum, und die fehlte uns immer noch in der Sammlung, und da ist es gelungen, eben genau diese Lücke zu schließen mit dem Erwerb des Buches.
Ein Buch, das 42 Seiten hat. Für eine hat Jorge Larguito den Druckstock geschaffen, in einhundert Stunden. 171 Tage würde er für das ganze Blockbuch brauchen. Das zeigt, wie aufwändig es war, im späten Mittelalter Bücher herzustellen.