Schaltgespräch mit Jan Bambach vom CSD Darmstadt

In Darmstadt steckt der Verein vielbunt mitten in den Vorbereitungen für den CSD. Eva Dieterle spricht mit dem Vorsitzenden über Gay Pride nach dem Berliner Anschlag und queerfeindliche Gewalt in Hessen

Eva Dieterle, Moderatorin:
Hallo.
Jan Bambach, Organisator Christopher Street Day Darmstadt:
Hallo.
Dieterle:
Herr Bambach, schon bald findet in Darmstadt der CSD statt. Haben Sie nach dem Anschlag in Berlin darüber nachgedacht, ihn abzusagen?
Bambach:
Keine Sekunde lang. Also der Schock saß schon sehr tief. Aber wir haben uns auch Gedanken darüber gemacht, welche Intentionen hat so eine Person, die so einen Anschlag ausführt? Und das ist ja meistens Angst zu schüren und Menschen davon abzuhalten, Farbe zu zeigen. Und da spielen wir nicht mit. Wir gehen weiter auf die Straße. Am 15. 08. hier.
Dieterle:
Der Täter war ein mutmaßlicher Islamist. Wie schätzen Sie die Bedrohung ein, der queere Menschen durch islamistischen Extremismus ausgesetzt sind?
Bambach:
Und das ist eine sehr gute Frage. Wir sagen auf CSDs in großen Teilen oft, dass ein Christopher Street Day kein Safe Space ist. Wir sind in der Öffentlichkeit. Es kann alles passieren und wir stellen uns auf alles ein. Und maßgeblich dafür sind, objektive Zahlen zu fällen, die in den letzten Jahren stattfanden. Wir versuchen, sämtliche Arten von Extremismus so ernst zu nehmen wie möglich. Dazu gehört Islamismus. Dazu gehört natürlich auch Rechtsextremismus. Und wir sehen leider, dass in allen Fällen, besonders auch im Rechtsextremismus, leider die Zahlen ansteigen und dementsprechend ist das eine Gefahr, die leider täglich größer wird.
Dieterle:
Queerfeindliche Gewalt nimmt generell zu. Deckt sich das auch mit Ihren Erlebnissen und Erfahrungen in Hessen?
Bambach:
Ja, wenn man privat durch die Straßen läuft, mit dem Partner in der Hand, habe ich das Gefühl, dass man schon mehr komische Blicke und auch unschöne Sprüche in den letzten Jahren zunehmend abbekommen hat. Und das deckt sich auch mit den tatsächlichen Zahlen, die auch das Land Hessen jährlich am 17. Mai veröffentlicht, zeigen, dass die Fälle ansteigen und aktuell leider auch so hoch wie noch nie zuvor sind.
Dieterle:
Was fordern Sie von der Politik aber auch von der Gesellschaft?
Bambach:
Von Politik und Gesellschaft fordere ich, so wie der Verein und unser Christopher Street Day auch nicht wegzuschauen in Fällen von Queerfeindlichkeit. Und es gibt konkrete Maßnahmen, die sinnvoll umgesetzt werden können. Der LSVD plus hat dazu einen zehn Punkte Plan bereits vorgelegt und in erster Linie hoffen wir natürlich auch, dass jetzt dieser Fall nicht instrumentalisiert wird für Forderungen, die vom eigentlichen Punkt Queer Feindlichkeit ablenken. Es ist sehr gut möglich, Queer Feindlichkeit einzudämmen, mit Aufklärung an Schulen zum Beispiel oder auch mit konkreten Projekten gegen Extremismus. Aber das sind leider auch jene Projekte, bei denen wir in den letzten Jahren sehr stark gekürzt wird.
Dieterle:
Einstehen für eine sichere und vielfältige Gemeinschafft. Herr Bambach, vielen Dank.
Bambach:
Und ich danke.