Neue Qualitäts-Wanderwege
In kaum einem Land der Welt wird so viel gewandert, wie in Deutschland. Mehr als 300.000 Kilometer Wanderwege gibt es bundesweit. Farbige Schilder weisen auf besonders schöne Wege hin, die die großen Deutschen Wander-Verbände zertifizieren. Aber: was braucht denn ein echter „Qualitätswanderweg“? Wir haben für eine Test-Wanderung die Schuhe geschnürt.
Eine verschmutzte Wandermarkierung – Daniel Stein vom Deutschen Wanderverband macht sofort ein Foto und trägt den Mangel samt GPS-Koordinaten in sein Protokoll ein. Zusammen mit Co-Tester Stephan ist Daniel Stein heute im rheinland-pfälzischen Groß-Winternheim unterwegs, denn der Qualitätswanderweg am Westerberg wird neu zertifiziert. Dabei prüfen die Tester die Strecke auf fast zwei Dutzend feste Kriterien.
Daniel Stein, Deutscher Wanderverband
„Das Allerwichtigste ist natürlich das Wegeformat. Dass der Wanderer halt nicht so 20 Kilometer auf Asphalt läuft, sondern halt wirklich Abwechslung drin hat. Da haben wir direkt das nächste Kriterium: Auch Abwechslung ist ein sehr wichtiges Kriterium, dass man nicht so eintönig durch die Landschaft läuft, sondern dass sich da auch immer wieder was verändert. Ansonsten gibt es halt Erlebnispunkte, die auch am Weg da sein müssen. Das kann eine Kapelle sein, das kann der Bachlauf da vorne sein. Solche Dinge. Also das muss halt auch da ein gewisses Erlebnispotential bieten so ein Wanderweg.“
Zum Beispiel durch die charakteristischen Hohlwege, die sich durch die jahrhundertelange Nutzung von Mensch und Tier in den Berg geprägt haben. Alle drei Jahre muss bei den sogenannten Qualitätswanderwegen die Zertifizierung erneuert werden. Die Prüfer haben alles genau im Blick. Wurde der Bodenbelag der Wege geändert? Ist die Beschilderung noch vorhanden und gut lesbar? Gibt es genug Einkehr- und Ruhemöglichkeiten?
Daniel Stein, Deutscher Wanderverband
„Das ist so ein bisschen die Krankheit des Prüfers. Du hast immer den Blick für die Kriterien und letztlich haben unsere Kriterien ja sogar alle eine Nummer. Und so laufen wir ständig mit den Nummern im Kopf herum: da ist eine 23 oder da ist eine 13 oder so etwas. Das kriegt man nicht mehr raus.“
Den Deutschen Wanderverband gibt es seit mehr als 140 Jahren. Dass der Wandersport in näherer Zukunft aus der Mode geraten könnte, befürchtet Daniel Stein nicht. Aber:
Daniel Stein, Deutscher Wanderverband
„Ich habe nicht den Eindruck, dass das Wandern an Popularität verliert, sondern es ist auch bei jungen Leuten sehr beliebt zu wandern. Der Unterschied ist bloß, dass die jüngeren Leute sich nicht mehr so in den Vereinen organisieren. Das ist so eine kleine, ja Schwierigkeit, weil viele Wanderwege wirklich von den Vereinen und von den Ehrenamtlichen gepflegt werden. Wenn das wegbricht, dann bricht halt auch gewisse Infrastruktur weg, die halt sonst niemand pflegt und instand hält.“


