Absurder Eidechsenzaun

Ein kleiner grüner Zaun sorgt in Reiskirchen im Landkreis Gießen für einen erstaunlich großen Streit. Rund um einen Zauneidechsen-Schutzzaun stehen inzwischen Metallzäune und sogar Stacheldraht. Alles videoüberwacht. Und wofür das Ganze? Die heiße Spur führt zu einem umstrittenen Straßenbauprojekt.

Hohe Türme mit Überwachungskameras, kilometerlanger hoher Stacheldrahtzaun und die Patrouille eines Sicherheitsdienstes – 24 Stunden am Tag. Was nach Gefängnis aussieht, soll hier eigentlich nur eine Sache schützen – diesen unscheinbaren grünen Plastikzaun, der Zauneidechsen davon abhalten soll, auf eine Baustelle zu gelangen.
Doch der unscheinbare Zaun wird immer wieder mutwillig zerstört. Die Folge: Eine erhöhte Sicherung. Für den Schutz eines Eidechsenzauns entsteht so ein Konzept, das die Gemeinde nach eigenen Angaben einen unteren sechsstelligen Betrag kostet.
Tobias Breidenbach (CDU), Bürgermeister Reiskirchen
„Wir sind mittlerweile bei fünf Mal Zaunzerstörung im Zeitraum von ich glaube mittlerweile sechs bis acht Wochen. Es ist erschreckend, dass quasi durch Vandalismus einiger weniger der Steuerzahler hier mit noch mehr Kosten, als er das ohnehin schon tun muss, dann konfrontiert wird.“
Hintergrund ist der Bau einer Umgehungsstraße. Sie soll den Durchgangsverkehr aus dem Ort holen und die Anwohner entlasten. Aber es wird noch kurioser.
Tobias Breidenbach (CDU), Bürgermeister Reiskirchen
„Wir haben jetzt drei verschiedene Zäune in drei verschiedenen Stufen, einen 24 Stunden sieben Tage die Woche Wachdienst, jetzt eine 24/7 Überwachung über Überwachungstürme für bisher keine gefundene Eidechse an dieser Stelle.“
Ein Zaun für einen Zaun, der einen Eidechsenzaun schützt – an einem Ort, an dem bislang offenbar gar keine Eidechsen gefunden wurden. Und wer denkt, dass es das schon war – Die Geschichte hat noch eine weitere Pointe: Die Umgehungsstraße, um die sich der ganze Streit dreht, wird nach Angaben von Anwohnern und Bürgermeister bereits seit mehr als 50 Jahren diskutiert. Viele bezweifeln inzwischen sogar, dass sie überhaupt noch gebraucht wird.
Kirsten Elett, Anwohnerin
„In der Zwischenzeit ist so viel passiert, an Wissen, was man noch dazu bekommen hat und das passt einfach nicht.“
Hans-Jürgen Hoffmann, Anwohner
„Hier wird das letzte Stück Grün, das letzte Stück, das die Menschen nutzen können mit Kindern, mit Tieren, mit Fahrrad, wird hier bewusst kaputt gemacht.“
Bettina Hoffman, Anwohnerin
„Man könnte auch sagen es wird eine Schummel-Straße. Wo anders gehen die Straßen kaputt, Brücken werden gesperrt, da sind keine Gelder da und hier verbläst man das Geld , also unmöglich.“
Jörg Bergstedt, Umweltaktivist
„Der Eidechsenzaun hier ist nicht das Absurde, sondern die ganze Straße ist das Absurde. Also diese Straße noch zu bauen in dieser Zeut. Wir stehen hier in der Hitze herum und das ist ja wie eine Untergangsparty, die hier gefeiert wird, dass man nochmal richtig auf die Kacke haut.“
Der vermutlich teuerste Zaun in Reiskirchen schützt am Ende vielleicht nicht die Eidechsen – sondern vor allem einen Konflikt, der einfach kein Ende findet.