Eltern trauern um getöteten Marius
Der 22-jährige Student Marius wird in Trier auf offener Straße getötet, mit einem Küchenmesser. Der mutmaßliche Täter: ein Afghane. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen haben sich Täter und Opfer nicht gekannt. Das Entsetzen ist dementsprechend groß – das Motiv völlig unklar. Jetzt sind die Eltern an die Öffentlichkeit gegangen. Sie sagen, das seien sie ihrem Sohn schuldig. Wir haben Elke und Thomas Dick in ihrem Zuhause in Landstuhl besucht.
Elke und Thomas Dick, Eltern von Marius
„Er hat mir der Rucksack abgenommen. Hat gesagt, Elke komm rein und ich habe schon an seinem Gesichtsausdruck gesehen, dass irgendwas nicht stimmt und dann habe ich gefragt: Thomas, ist was passiert? Und dann gehen wir hier so um die Ecke und dann stehen die Polizisten und die Notfallseelsorger, in dem Moment. Und dann sagt er zu mir: Marius ist tot, er wurde abgestochen. Und in dem Moment bin ich da zusammengebrochen und habe nur noch geschrien: Mein Kind, mein Kind, mein Marius, das kann nicht sein, es kann nicht sein.“
Elke Dick spricht mit uns über den Moment, der ihr Leben verändert hat. Den Moment, in dem sie erfahren hat, dass ihr Sohn Marius tot ist.
Erstochen auf dieser Straße am vergangenen Mittwoch in Trier.
Marius kommt gerade zurück vom Einkaufen, als der mutmaßliche Täter aus der Hecke springt und ihn mit einem Küchenmesser angreift. Der Student stirbt kurz darauf im Krankenhaus.
Die Eltern sehen ihren Sohn erst wieder im Beerdigungsinstitut.
Elke und Thomas Dick, Eltern von Marius
„Sie nehmen dann auch ihr Kind den Arm, ob es tot ist oder nicht. Sie reden noch mit ihnen, wie wenn es noch leben würde, dass das kann man nicht beschreiben. In dem Moment, die Gefühle müssen raus. Das ist passiert und das war uns unheimlich wichtig, dass man das noch mal machen konnten.“
Die Anteilnahme ist riesig. An der Uni in Trier gibt es einen Tag nach der Tat eine bewegende Gedenkveranstaltung für Marius.
Seine Eltern leben im kleinen Städtchen Landstuhl bei Kaiserslautern. Freunde, Verwandte, Nachbarn – alle bieten ihnen Hilfe an.
Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus, viele kommen her, um sich einzutragen. Elke und Thomas Dick bedeutet das viel.
Elke Dick, Mutter von Marius
„Ganz Landstuhl steht unter einer Trauerglocke, wirklich. (…) Die Leute, die sagen, sie wachen nachts auf und müssen an den Marius denken und fangen an zu weinen. Und wenn ich dann so was höre, dann denke ich: Ach Gott, das ist ja doch schön, es ist ja doch… es trägt einen, es trägt einen wirklich.“
Getragen werden durch diese Zeit. Es gibt viel zu organisieren, vor allem Marius Beerdigung am Samstag. Die Eltern sagen, sie funktionieren momentan einfach irgendwie.
Welche Gefühle kommen in ihnen hoch, wenn sie an den Täter denken?
Elke und Thomas Dick
„Ich empfinde gar nix zu Zeit, ich kann im Moment gar nichts empfinden, ich habe wie abgeschaltet. Wut, absolute Wut.“
Der mutmaßliche Täter: Ein 22-jähriger Afghane. Sein Asylantrag wurde 2017 abgelehnt, die Behörden verfügten jedoch ein Abschiebungsverbot. Nach vorläufigen Erkenntnissen leidet er an einer psychischen Erkrankung, war deshalb auch schon in Behandlung. Er hat die Tat gestanden, ist jetzt in einer Psychiatrie untergebracht.
Marius Eltern sagen: In Deutschland müsse sich endlich etwas ändern. Sie wollen, dass der Tod ihres Sohnes nicht völlig sinnlos war. Das haben sie auch dem Bundeskanzler persönlich gesagt. Friedrich Merz hatte die Eltern angerufen, um ihnen seine Anteilnahme auszusprechen.
Elke und Thomas Dick, Eltern von Marius
„Es war ja ein wirklich ein sehr emotionales Gespräch und ich hatte auch den Eindruck, dass das es bei ihm ankam, also dass er wirklich … emotional die Nachricht verstanden hat. Jetzt ist halt nur die Frage: Inwieweit geht das jetzt weiter in der Politik? Wir warten ja auf Antworten, wir warten ja drauf, dass sich die Leute zusammensetzen. Das ist mein Appell. Weil nach Marius wird es Fälle geben und vor Marius hat es genügend Fälle gegeben. Das wissen alle. Hier ist ein Problem, das wir haben. Spricht das an, redet drüber und guckt, dass ihr das von der Reihe kriegt. Das ist meine Botschaft, unsere Botschaft. Ja, wir haben gesagt, wenn Marius sein Tod noch gut ist, dass nur ein Leben gerettet werden kann, dann war es schon was wert.“


