Verteidigungsminister besucht Rüstungskonzern KNDS in Kassel

Der Krieg in der Ukraine, die Eskalation im Nahen Osten und eine zunehmend unsichere Weltlage haben die deutsche Rüstungsindustrie grundlegend verändert. Was viele Jahre als ungeliebte Nischenbranche galt, zählt heute zu den Wachstumsmotoren der Industrie – und soll dabei helfen, die Bundeswehr besser auszustatten und die europäische Souveränität zu stärken. Bundes-Verteidigungsminister Boris Pistorius war deshalb heute zu Besuch beim Rüstungsbauer KNDS in Kassel.

Zufrieden sieht der Bundesverteidigungsminister heute auf seinem Rundgang in der Produktion bei KNDS aus. Schließlich ist die Bundesregierung bereit, mehr als 8 Milliarden Euro für 40 Prozent der Anteile des deutsch-französischen Unternehmens zu bezahlen, ebenso, wie die französische Regierung.
Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister
„Unser Interesse ist klar: Wir wollen diese deutsche Schlüsseltechnologie im deutschen Zugriff behalten, in Augenhöhe mit den Partnern aus Frankreich. In welcher Form das geschieht, das werden die Gespräche und Entscheidungen der nächsten Wochen zeigen.“
Am Standort Kassel produziert KNDS vor allem Schützen- und Kampfpanzer wie den Leopard 2. Mit mehr als 2.400 Mitarbeitern ist der Rüstungskonzern hier auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Florian Hohenwarter, Geschäftsführer KNDS
„Der Kasseler Standort hat für uns eine zentrale Bedeutung. Hier sitzt ein Großteil der Entwicklung, neben München. Hier haben wir die technologischen Produktionsstätten für unsere Türme. Wir werden weiterhin im großen Maße in Kassel investieren.“
Außerdem soll bis zum Ende des Jahrzehnts die Gesamtzahl der Mitarbeiter im Konzern verdoppelt werden. Das allerdings geht nicht nur durch Neueinstellungen,
Florian Hohenwarter, Geschäftsführer KNDS
„Wir haben dazu im letzten Jahr einen Bahnhersteller, einen Bahnstandort übernommen in Sachsen. Wir haben dieses Jahr kommuniziert, dass wir mit einem Automotive-Lieferanten Dräxlmaier in Bayern kooperieren werden. Und ich habe auch immer gesagt, dass wir noch weitere Standorte benötigen.“
Auch der Minister kann sich gut vorstellen, dass zukünftig weitere Automobilwerke auf Rüstung umgestellt werden. Das sei eine gute Idee, um die Fachkräfte in den Regionen zu behalten, so Pistorius.
Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister
„Die Automobilindustrie geht durch schwere Zeiten. Die Rüstungsindustrie hat einen riesigen Bedarf an Aufwuchs, sowohl von Standorten, Arbeitskräften. Also klugerweise würde man dann genau dort umswitchen in der Produktion von A auf B, um das zu gewährleisten, von daher findet das meine volle Unterstützung.“
Unklar blieb heute aber, wann die Bundesregierung ihr Engagement bei KNDS beginnen kann. Der Rüstungsbauer hatte zuletzt mitgeteilt, seinen geplanten Börsengang wegen zu großer Marktschwankungen zunächst zu verschieben.