Bekannter niederländischer Künstler im Frankfurter Städel
Pieter Bruegel der Ältere ist jung gestorben. Nur etwa 40 Gemälde und einige Zeichnungen sowie Druckgrafiken von ihm sind bekannt. Zuletzt wurde eins seiner Werke für rund 4,5 Millionen Euro versteigert. Das Frankfurter Städel Museum präsentiert Bruegel jetzt in einer großen Sonderausstellung.
Ein Mann, dem ein Baum aus dem Rücken wächst, scheint aus einem Wesen zu schlüpfen, das wie ein Ei aussieht..Menschen, die statt Gesichtern Fratzen haben, oder sich eitel im Spiegel anschauen. Motive aus der Serie Laster und Tugenden. Fantastische Grafiken, die fast 500 Jahre alt sind. Druckgrafiken von Pieter Bruegel dem Älteren. Humorvolle Kunst!
Prof. Dr. Jochen Sander, stellv. Direktor Städel Museum Frankfurt
„Ja, dieser Mann war ein begnadeter Satiriker. Ein großartiger Humorist. Ein extrem talentierter Erzähler, der Dinge schildert, die auch heute noch … Und das macht, die Sache so spannend, das ist ja nicht nur ein berühmter Maler, der im Auktionshandel hohe Preise erzielt. Nein, wenn wir uns auf diese Bilder einlassen, haben wir eine unglaubliche Entdeckerfreude, die wir selber erleben können. In dem wir uns angucken können, was der alles darstellt und was das bedeutet. Was kann man damit verbinden, an Bilderkenntnis.“
Oft zeichnet Bruegel ausgesprochen groteske Fische. Antwerpen ist im 16. Jahrhundert eine Fischfangmetropole. Die Meerestiere sind das Gesprächsthema. Die Grafiken des Meisters der niederländischen Kunst sind wie „Wimmelbilder“. Sie zu enträtseln, ist damals ein beliebter Zeitvertreib des wohlhabenden Bürgertums.
Astrid Reuter, Leiterin der Graphischen Sammlung des Städel Museums
„Vielfach wurden die Grafiken gekauft, um sie vorzulegen, wenn Freunde, Menschen, die ähnliche Interessen hatten, zu Besuch kamen. Da hat man sich die Kassetten herausgeholt und sich um den Tisch gesetzt und darüber auch diskutiert. Es waren wirklich Anlässe, um eine intellektuelle Diskussion zu führen, um seinen Geist zu schärfen, um sich auszutauschen.“
Nicht alle Motive Bruegels sind irgendwie seltsam. Er ist auch einer der Erfinder der Landschaftsmalerei. Die gab es vor dem 16. Jahrhundert überhaupt noch nicht. Der Maler überquert die Alpen. Die Zeichnungen, die daraus entstehen, sind eine Mischung verschiedener Motive. Pieter Bruegel lebt für seine Art von Kunst in der richtigen Zeit.
Prof. Dr. Jochen Sander, stellv. Direktor Städel Museum Frankfurt
„Dass er das große Glück hat, Mitte des 16. Jahrhunderts tätig zu sein, in dem Künstler für einige Jahrzehnte durch den Humanismus, und durch die Reformation, die Lizenz bekamen, viel freier mit der Tradition umgehen zu können und plötzlich völlig neue Dinge gestalten zu können.“


