Niedrigwasser erschwert Binnenschifffahrt

Die Hitze hat Hessen und Rheinland-Pfalz weiter fest im Griff – 2026 hat es bisher viel zu wenig geregnet. Das zeigt sich besonders auf einer der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands: Der Rhein, führt immer weniger Wasser – die Pegelstände sinken immer weiter. Für die Schifffahrt in Hessen und Rheinland-Pfalz bedeutet das: Einschränkungen und wirtschaftliche Schäden.

Eigentlich könnte die Orlando knapp zweieinhalb tausend Tonnen Getreide von Worms nach Krefeld fahren. Doch wegen des Niedrigwassers kann hier im Raiffeisen-Zentrum aktuell nur ein Drittel so viel geladen werden. Trotzdem kommen täglich Bauern vorbei, um ihre Ernte abzugeben.
Dominic Flörsch, Raiffeisen Waren-Zentrale Worms
„Die Mengen kommen momentan schneller rein, wie die Mengen weg gehen, weil in der Regel über unsere zwei Wasserstandorte Andernach und Worms haben wir in der Ernte schon 30 bis 50 Schiffe. Wir rechnen ja mit der vollen Schiffsfracht von 1000 bis 3000 Tonnen und wenn das Schiff eben nur 30 Prozent Fassungsvermögen mitnimmt, dann stellt uns das vor logistische Herausforderungen, die wir auch versuchen auf LKW umzuladen.“
Doch um zum Beispiel die Orlando zu ersetzen, wären 100 LKW notwendig. Das Niedrigwasser sorgt also für steigende Transportkosten. Das könnte der Verbraucher bald auch im Supermarkt – und auch an der Zapfsäule merken. Denn auch ein großer Teil Öl und Treibstoff wird über Wasserstraßen transportiert. Die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt fordert, dass die Anlegemöglichkeiten und stellenweise auch die Fahrrinne des Rheins vertieft werden müssten. Nur so könne es eine Zukunft für die Binnenschiffer geben.
Roberto Spranzi, Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt
„Ich bin jetzt 45 Jahre in der Binnenschifffahrt. Ich habe diese niedrigen Wasserstände so früh im Jahr noch nicht erlebt. Wenn dieser Umstand jetzt noch lange anhält – lange ist für mich jetzt über den Juli hinaus – dann werden wir sicherlich Probleme bekommen mit der Versorgungssicherheit.“
Der Pegel bei Worms steht trotz einiger Regenschauer heute Mittag aktuell bei 50 cm. Der durchschnittliche Wasserstand liegt eigentlich bei über zwei Metern. Überall in Rheinland-Pfalz und Hessen sieht die Situation entlang des Rheins ähnlich aus. So auch in Andernach. Im Hafen sind mehrere Passagierschiffe festgemacht, die wegen des niedrigen Wasserstandes nicht weiterfahren können. Wolfgang Ax ist für die Binnenschiffe im Hafen zuständig und versucht den Ansturm an Schiffen zu bewältigen.
Wolfgang Ax, Betreuer der Binnenschiffe Andernach
„Das ist im Moment eine richtige Ausnahmesituation. Wir haben im Schnitt 40 Schiffe im Monat – mal mehr, mal weniger – aber durch die jetzige Situation kommen wir wahrscheinlich diesen Monat auf 80 oder 85 Schiffe oder Anlegungen.“
In Andernach liegt auch das Passagierschiff MS Olympia. Sie ist vom Niedrigwasser noch nicht beeinflusst, weil sie nicht so tief im Wasser liegt wie modernere Schiffe. Doch der aktuelle Rheinpegel macht auch der Besatzung Sorge. Eine Fahrt durch das Mittelrheintal ist nur mit äußerster Vorsicht möglich.
Marcus Bergma, Kapitän MS Olympia
„Für uns in der Passagierfahrt ist die Gebirgsstrecke schon sehr schwierig zu fahren, weil das ist für uns doch maßgeblich, dass man da durchfährt und das ist die trockenste Stelle. Man muss ein bisschen extra aufpassen. Nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf die Schiffe die entgegenkommen.“
Sowohl die Schiffsfahrer in Andernach als auch in Worms hoffen jetzt auf das Wochenende. Dann soll es endlich wieder regnen. Doch der Sommer ist noch lang; und damit der Schiffsverkehr auf dem Rhein wieder normal läuft, müsste der Pegel um mindestens einen Meter steigen.