Streit über den Abschuss von Wölfen

150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst vor gut 25 Jahren kehrten die ersten Rudel zurück. Für Naturschützer ein Erfolg, für viele Landwirte ein richtiges Problem: Denn Wolfsrudel reißen immer wieder Weidetiere. Jetzt hat Hessen reagiert. Im Lahn-Dill-Kreis sollten vier Jungwölfe geschossen werden. Umweltverbände liefen Sturm – und stoppten den Abschuss per Eilantrag.

Landwirt Bernd Weyel kümmert sich leidenschaftlich um seine Tiere. Drei seiner Schafe hat er mit der Hand aufgezogen. Im März dann der Schock: Ein Wolfsrudel reißt vier Schafe und ein Kalb.
Bernd Weyel, Landwirt aus Driedorf
„Von den vier Schafen war eins völlig aufgefressen, das war eigentlich nur noch Skelett. Und die anderen waren entsprechend weniger von gefressen. Aber man konnte schon erkennen das war weit mehr als ein Tier in jedem Fall.“
Untersuchungen zeigen: Ein ganzes Rudel hat Weyels Tiere angegriffen – eines von drei Wolfsrudeln in Hessen. Immer wieder klagen Landwirte über die steigende Wolfspopulation. Ende Juni zog das Land Konsequenzen und stellte einen „Wolfsmanagementplan“ vor.
Demnach dürfen künftig bis zu 40 Prozent der Jungwölfe geschossen werden. Tot aufgefundene Tiere – wie zuletzt zwei im Lahn-Dill-Kreis – werden auf die Abschussquote angerechnet. Dadurch könnten auch weniger Tiere erlegt werden. Sogenannte Problemwölfe, die Weidetiere reißen, können noch obendrauf kommen.
Konkret heißt das für den Lahn-Dill-Kreis: Zu den zwei bereits tot aufgefundenen Jungwölfen sollen zwei weitere geschossen werden. Doch Naturschützer stoppten die Jagd nun durch einen Eilantrag am Verwaltungsgericht Kassel – aus Sorge, dass zu viele Abschüsse die Art gefährden.
Thomas Norgall, BUND Hessen
„Der hessische Umweltminister hat eigentlich einen Bekämpfungsplan vorgelegt und Nichts, um nur den Konflikt zwischen Wölfen und Weidetieren zu regeln. Er zielt darauf hab die Wölfe in Hessen stark zu dezimieren und wir haben schon ganz wenig Wölfe, da sind sie schnell ausgerottet.“
Laut Hessen-Forst leben aktuell 15 Wölfe in Hessen. Das Landwirtschaftsministerium hält trotz der Klage an seinem Plan fest:
Landwirtschaftsministerium Hessen
„Ziel ist es, die Entwicklung der Wolfspopulation aktiv zu steuern. Der Bestand soll nicht rasant anwachsen, sondern sich auf einem moderaten Niveau entwickeln. Die hessische Planung verfolgt dieses Ziel mit Augenmaß und unter Berücksichtigung der artenschutzrechtlichen Vorgaben.“
Für Landwirt Weyel ist die Klage der Naturschützer kaum nachvollziehbar.
Bernd Weyel, Landwirt aus Driedorf
„Was wollen die eigentlich schützen? Denken die auch an die Tiere, die dabei zu Grunde gehen? Das ist doch absurd. Es gibt Tiere denen hängt der Darm raus, die leben noch, die stehen da, mit raushängendem Darm. Das würde ich gerne mal diesem Naturschützer dann mal so darlegen und fragen: Was meinst du denn dazu?“
Das Verwaltungsgericht Kassel muss nun über die Klagen entscheiden – wie lange das dauert, ist offen. Bis dahin setzt Weyel auf Milchsäure als geruchliche Abschreckung – und im Notfall auf eine Reizgas-Pistole, um sich und seine Tiere zu schützen.