Schaltgespräch mit VKU-Geschäftsführer Michael Bleidt über negative Strompreise

Viel Sonne, wenig Stromverbrauch. Das bedeutet, die Abnehmer unseres Solarstrom aus dem Ausland bekommen Geld von uns.

Markus Appelmann, Moderator:
Darüber wollen wir noch mehr erfahren und schalten jetzt zu Michael Bleidt vom Verband Kommunaler Unternehmen in Rheinland-Pfalz, wo zum Beispiel die Stadtwerke organisiert sind. Guten Tag, Herr Bleidt!
Michael Bleidt, Verband Kommunaler Unternehmen in RLP:
Guten Tag, Herr Appelmann.
Appelmann
Was hat die Politik verschlafen, dass in diesem Jahr Strom den Negativrekord gebrochen hat, der Staat Rekordsummen bezahlen musste, damit uns der Solarstrom abgenommen wird?
Bleidt:
Ich will gar nicht unbedingt sagen, dass die Politik etwas verschlafen hat. Aber ja, uns fehlen Dinge im Stromnetz. Wir haben einen enormen Aufwuchs an Produktion und dadurch immer mehr Strom im Netz, der letztlich keinen Abnehmer findet. Und da müssen wir natürlich gegensteuern, indem wir zum Beispiel Batteriespeicher bauen, indem wir Hochspeicheranlagen, also Pumpspeicherkraftwerke bauen, die letztlich Strom zu den Zeiten speichern können, wo wir über Stromproduktion haben und dann wieder abgeben können, wenn wir den Strombedarf haben.
Appelmann:
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert ja ein Ende der Einspeisevergütung für neue Solaranlagen. Ist dieser Vorstoß also verständlich, um die Belastungen für Steuerzahler durch negative Strompreise zu stoppen?
Bleidt:
Aus unserer Sicht ist dieser Vorstoß durchaus verständlich. Wir müssen die Systemkosten der Energiewende senken. Und dazu gehört eben auch, dass man keine Anlagen fördert, die sich für den Betreiber ohnehin lohnen. Und das ist bei Anlagen auf dem Eigenheim in der Regel der Fall. Die werden bereits nach fünf bis zehn Jahren amortisiert sein für den jeweiligen Betreiber. Und dann muss man kein Steuergeld mehr aufwenden, um diese Anlagen noch weiter zu fördern.
Appelmann:
Jetzt sieht der neue Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz vor, dass Photovoltaikanlagen stark zugebaut werden sollen, stärker sogar als bisher. Ist das der richtige Weg, wenn Speichermöglichkeiten fehlen?
Bleidt:
Erst mal denken wir, dass es ein gutes Zeichen ist, dass eine Landesregierung sich ein ambitioniertes Ziel setzt. Wir selbst sind aber der Meinung, dass wir vor allen Dingen in der Windenergie zubauen müssen. Wir haben im Herbst und in den Nachtzeiten durchaus zu wenig Stromproduktion und dort kann die Windenergie eben einsteigen, wo die Photovoltaik ausfällt. Insofern müssen wir vor allen Dingen konstatieren, dass, wenn Photovoltaikanlagen zugebaut werden, diese unbedingt mit einem Speicher zu kombinieren sind oder für den Direktverbrauch dann eben an Industrieanlagen oder ähnlichen Bereichen gebaut werden müssen.
Appelmann:
Und nun eine allgemeine Frage zum Schluss, die sicherlich alle Zuschauer umtreibt: Warum haben wir in Deutschland mit die teuersten Strompreise der Welt und wie könnte man das ändern?
Bleidt:
Ja, die berühmte Kugel Eis, die die Energiewende kosten sollte, ist natürlich so unwahr. Wir haben hohe Systemkosten, weil wir das System umbauen. Und eine Möglichkeit gegenzusteuern, wäre an der Stelle zum Beispiel an die Senkung der Stromsteuer, die wir schon lange fordern.
Appelmann:
Er spricht sich für die Senkung der Stromsteuer aus. Michael Bleidt, vom Verband kommunaler Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Danke Ihnen.