Negativer Strompreis auf Rekordniveau

Blauer Himmel, strahlende Sonne – was nach einem perfekten Tag für die Energiewende klingt, sorgt an der Strombörse regelmäßig für ein richtig teures Phänomen: Strom wird zeitweise so reichlich produziert, dass er ins Ausland verschenkt werden muss. Und obendrauf gibt es sogar noch eine satte Prämie – überwiesen von den deutschen Steuerzahlern.

Henning Lorang auf einer seiner Baustellen. Hier auf dem Haus von Ellen Thomas im kleinen Ort Brücken bei Idar-Oberstein installiert seine Firma eine neue Photovoltaikanlage.
Wer eine Solaranlage auf dem Hausdach hat und Strom ins Netz einspeist, erhält pro Kilowattstunde Geld vom Staat, die sogenannte „Einspeisevergütung“.
Für die Rentnerin mit ein Anstoß, in eine Solaranlage zu investieren.
Ellen Thomas, Kundin
„Mit der Einspeisung kann ich meine Rente ein bisschen aufbessern, das ist dann auch schon ein Grund.“
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat angekündigt, diese Einspeisevergütung ab 2027 für alle neuen kleinen Solaranlagen streichen zu wollen. Seit das bekannt ist, klingelt das Telefon von Henning Lorang deutlich häufiger.
Henning Lorang, Geschäftsführer KLE Energie
„Ja, also die Auftragslage hat sich deutlich geändert. (…) Wir hatten vorher eine sehr zurückhaltende Kundschaft. Die Menschen waren unsicher wegen der wirtschaftlichen Lage, hatten Angst um ihren Arbeitsplatz. Unternehmen machen gerade keine Gewinne, schauen nicht optimistisch in die Zukunft. Das hat zu einer großen Investitionszurückhaltung geführt. Und mit diesem Leak ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen.“
Aufträge für dieses Jahr. Auf das kommende Jahr blickt der Geschäftsführer mit Sorge, rechnet mit einem „dramatischen Markteinbruch“.
Die Bundeswirtschaftsministerin argumentiert, insbesondere kleine Anlagen seien aufgrund gesunkener Kosten oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich. Außerdem würden auch diese privaten Anlagen auch dann Strom ins Netz einspeisen, wenn kein Bedarf bestehe.
Bedeutet: Gerade um die Mittagszeit, wenn die Sonne am stärksten scheint, gibt es ein Überangebot an Solarstrom.
Das Problem: Die Speichermöglichkeiten für den Strom, der gerade nicht gebraucht wird, fehlen. Mit kuriosen Folgen.
Henrik te Heesen, Professor für Erneuerbare Energien Hochschule Trier
„Im Moment haben wir das Problem, dass mittags der Strom an der Strombörse quasi nichts mehr wert ist, wir sogar teilweise negative Strompreise haben, was bedeutet, dass große Anbieter, die Strom an der Strombörse kaufen können, die können dann mittags von diesen negativen Strompreisen profitieren, das heißt, sie bekommen Geld dafür, dass sie Strom abnehmen. Das ist für einen Strommarkt natürlich kein gutes Konzept und auf Dauer kann das natürlich auch nicht gut gehen.“
Negative Strompreise. Kurios und teuer. Denn sowohl die Abnehmer des Stroms im In- und Ausland bekommen Geld dafür, dass sie den Strom nehmen und auch diejenigen, die den Strom produzieren, bekommen Geld. Alles bezahlt vom deutschen Steuerzahler.