Wiederaufbau in Marienthal
Wie kompliziert und langwierig dieser Wiederaufbau ist, das weiß auch Stefan Zimmermann, der von der Flutkatastrophe vor fünf Jahren doppelt betroffen war. Sein Haus in Marienthal, an der engsten Stelle des Ahrtals, ist weggeschwemmt worden und auch seine Werkstatt in Bad Neuenahr-Ahrweiler ging in den Fluten unter. Obwohl die Schreinerei rund 200 Meter von der Ahr entfernt liegt, stand auch hier das Wasser bis zur Decke. Doch statt alles hinzuschmeißen und irgendwo anders neu anzufangen, hat sich Stefan Zimmermann in seiner Heimat zurückgekämpft.
Kaum ein anderer Ort im Ahrtal war so massiv von der Jahrhundertflut betroffen wie die 100-Seelen-Gemeinde Marienthal. Denn hier zwängten sich die Fluten durch die engste Stelle des Tals. Traurige Bilanz: 6 Tote, zahlreiche Verletzte – und fast kein Haus mehr bewohnbar.
Stefan Zimmermann, Anwohner Marienthal
„Das hier war ein kompletter Totalschaden. Also wir hatten es so bis 2 Zentimeter unter der Fensterbank auf der ersten Etage. Also jetzt vom Pflasterniveau ab gerechnet so 4 Meter Wasser. Da kann man sich vorstellen, von all dem, was Sie jetzt hier sehen, da war damals nichts mehr übrig.“
Mit viel Eigenleistung hat Stefan Zimmermann sein Eigenheim wieder aufgebaut. Trotz der überwältigenden Hilfe aus ganz Deutschland seien sowohl Handwerker als auch Baumaterial im Ahrtal lange Zeit Mangelware geblieben. Stefan Zimmermann weiß, wovon er spricht: Er betreibt selbst eine Schreinerei in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch hier stand nach der Flut kein Stein mehr auf dem anderen. Doch schon bald, nachdem die gröbsten Schäden beseitigt waren, konnte sich der Schreinermeister vor Aufträgen kaum retten – jetzt, 5 Jahre nach der Flut, verkehrt sich die Situation allmählich ins Gegenteil.
Stefan Zimmermann, Schreinerei Hoppe Ahrweiler
„Ein Großteil der Flutschäden, auch wenn immer noch viel zu tun ist, ist aber halt auch abgearbeitet. Das heißt, die meisten Häuser sind renoviert. Und da ist natürlich jetzt in den nächsten Jahren auch kein Auftragspotential mehr. Das heißt, die Heizungen sind neu. Der Strom ist neu. Die Fenster sind neu.“
Gerade in Sachen öffentlicher Infrastruktur gebe es im Ahrtal aber noch einiges zu tun: Doch gerade da wiehere der Amtsschimmel oft besonders laut. Jeder noch so kleine öffentliche Auftrag werde monatelang europaweit ausgeschrieben – lange und komplizierte Vergabeverfahren verzögerten den Wiederaufbau enorm.
Stefan Zimmermann, Schreinerei Hoppe Ahrweiler
„Da, wo es am Anfang hieß, wir müssen im Ahrtal auch mal Sachen auf dem kleinen Dienstweg entscheiden oder so, hat man das Gefühl, dass er jetzt doppelt so lange ist wie vorher, der Dienstweg. Ich glaube, wir Deutschen sind nicht in der Lage, Bürokratie zu verkleinern. Sondern in dem Moment, wo wir Bürokratie verkleinern wollen, machen wir es eigentlich doppelt so groß wie vorher.“
Trotzdem sei das Ahrtal insgesamt auf einem sehr guten Weg – auch wenn das Trauma der Flut noch lange nachwirken werde.
Stefan Zimmermann, Anwohner Marienthal
„Das ist ein Ereignis, das geht nicht so an einem vorbei. Wo man sagt, das ist jetzt abgehakt. Da denkt man nie wieder drüber nach.“


