Gedenken an die Ahrtal-Flut vor fünf Jahren

Die Hochwasserkatastrophe jährt sich heute zum fünften Mal. Die Flut reißt Häuser, Straßen und Brücken mit sich, ganze Ortschaften werden von der Außenwelt abgeschnitten. Allein in Rheinland-Pfalz sterben 136 Menschen.Heute sind alle Augen auf das Ahrtal gerichtet. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist unterwegs, um den Opfern zu gedenken und um mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Das Portrait von Eberhard Schimansky. Es ist eines von rund 40 Fotos der Ausstellung mit dem Titel „We AHR strong. Fünf Jahre. Ein neuer Blick.“ Eberhard Schimansky ist heute 89 Jahre alt, die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse der Fluchtnacht – sie sind immer noch sehr präsent.
Eberhard Schimansky
„Alles, was ich geliebt habe, ging in dieser einen schrecklichen Nacht verloren. Meine Frau und alles, was wir uns in 60 Jahren aufgebaut haben, ging in einer Nacht verloren und war verschwunden.“
Alles verloren, das haben viele der Menschen im Ahrtal.
Silvia Schäffer-Gemein hat Glück. Ihr Haus in Bad Bodendorf bleibt von der Flut verschont. In das Haus ihres Bruders in Heimersheim allerdings dringen die Wassermassen ein. Er und seine Familie überleben. Beim Aufräumen in den ersten Tagen nach der Flut kann Silvia Schäffer-Gemein ihrer Familie nicht helfen. Denn: Sie ist hochschwanger.
Silvia Schäffer-Gemein
„Wir hatten ja ein paar Tage weder Wasser noch Strom und das erste, als wir dann wieder Telefon hatten, war der Anruf vom Krankenhaus, dass sie jetzt evakuieren und ich mir doch eine andere Entbindungsklinik bitte suchen sollte. (…) Ja, dann ist in der Nacht irgendwann die Fruchtblase geplatzt und dann habe ich in der Nacht dann da gesessen und gedacht, da wo kann ich denn jetzt hin?“
Eine Klinik in Bonn nimmt sie schließlich auf, alles geht gut. Ihr Sohn Ludwig kommt gesund zur Welt, wird nächste Woche fünf Jahre alt.
An Schicksale wie diese soll die Ausstellung erinnern.
Erinnern, darum geht es heute auch dem neuen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder. Er betont aber auch: Erinnern bedeute auch Verantwortung.
Gordon Schnieder (CDU), Ministerpräsident Rheinland-Pfalz
„Verantwortung dafür, das Leid der Betroffenen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Verantwortung dafür aus dem Erlebten die richtigen Lehren zu ziehen. Und Verantwortung dafür, den Wiederaufbau des Ahrtals entschlossen weiterzuführen und unser Land besser auf künftige Extremereignisse vorzubereiten.“
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist heute ins Ahrtal gereist, zum gemeinsamen Erinnern.
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident
„Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen. Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat. Menschen aus Nah und Fern sind gekommen, um zu helfen.“
Hilfe hat auch die Familie von Silvia Schäffer-Gemein erfahren. Dafür ist die 47-Jährige dankbar. Die Flut hat bis heute Auswirkungen auf ihren Alltag.
Silvia Schäffer-Gemein
Es ist schon schmerzhaft, weil ich habe ja vier Kinder. Die Kindheit, die meine großen Kinder haben, die haben die kleinen halt nicht mehr. Weir haben wahnsinnig viele Fahrradtouren immer die Ahr rauf und runter gemacht und das sitzt jetzt so tief, das macht man jetzt zum Beispiel nicht mehr. Also eigentlich ist denen ein Stück Heimat genommen worden.“
Eberhard Schimansky wurde alles genommen. Doch seine Ehefrau Gudrun bleibt für immer in seinem Herzen. Dieses Jahr wird er 90 Jahre alt und er hat sich vorgenommen: Er will sich seine Lust am Leben nicht nehmen lassen. Er hat eine neue Liebe gefunden, Helga. Sie haben sich auf dem Friedhof in Bad Neuenahr kennen gelernt, ihre Ehepartner liegen nicht weit voneinander begraben.
Eberhard Schimansky
„Mir ist das Leben nochmal geschenkt worden nach fünf Jahren nach dieser Flut und ich gehe mit viel Zuversicht und auch mit Freude noch in das Leben.“
Mit Freude ins Leben gehen, das soll auch sein Portrait ausdrücken. Es wird gemeinsam mit den anderen Fotos in den nächsten Wochen in den stark betroffenen Gebieten entlang der Ahr zu sehen sein.